SPRINGER VERLAG
Informatik Fachberichte
Informatik Anwendungen im Umweltbereich
2. Symposium, Karlsruhe 1987

Seite 1-7
Ganzheitlicher Umweltschutz
E.U. von Weizsaecker
Institut für Europäische Umweltpolitik

Seite 155-168
Möglichkeiten und Grenzen ... (Heiner Benking)

          siehe auch:  BLP Bibliography Server: BENKING

Möglichkeiten und Grenzen der Datenpräsentation durch Computergrafik 

im Umweltbereich

Possibilities and Limitations of Data-visualisation

with Computer Graphics in the Environmental Sector

(translation in progress)

H. Benking

Zusammenfassung

Die grafische Datenverarbeitung und die Geowissenschaften bieten erprobte und entwicklungsfähige Methoden und Systeme an, um komplexe Probleme im Umweltbereich erfolgversprechend und zunehmend kostengünstig angehen zu können. Farbrastergrafik als ein wichtiger Bestandteil einer informationstechnischen Lösung bietet erhebliche, bisher wenig genutzte Möglichkeiten. Es werden Schwachstellen beim Zusammenwirken von Mensch und Systemen aufgezeigt und Wege gewiesen, wie menschliche Fähigkeiten besser durch Hilfsmittel unterstützt und gefordert werden können.
 
 

1. Einleitung

Um langjährige Erfahrungen und praxisnahe Ansätze und Lösungen in den Geowissenschaften vorzustellen, die heute Patendienste für viele Anwendungen leisten können, wurde der nachfolgende Beitrag zusammengestellt. Grafik wird als Katalysator für bessere Einsichten in Umweltphänomene und -prozesse verstanden.

Grafische Darstellungen sind bei jeder dieser Aufgaben hilfreich und können ein dem Menschen nahes Bindemittel für die anzustrebende Gesamtsicht sein. Dies spiegelt sich in der Topographie als Ortsbeschreibung, also dem Begriff Topus wieder, der sich nicht nur auf den Ort schlechthin bezieht, sondern auch auf mit ihm im Zusammenhang stehende Situationen und Vorgänge.

Sagst Du's mir, so vergesse ich es.
Zeigst Du’s mir, so merke ich es mir leicht.
Läßt Du mich teilhaben, so behalte ich es!

Entsprechend obigem chinesischen Sprichwort liefert die Computergrafik eine neue Qualität. Sie erlaubt nicht nur die Darstellung, sondern auch eine (interaktive> Teilhaberschaft und Eingriffe! Anteile können erfragt, herausgegriffen, modelliert (was wäre wenn...) und Funktionsgefüge schrittweise verstanden werden.

Der Eingriff in solch eine ,,Daten-Welt" bringt sicher Gefahren mit sich. Nicht nur FehIeinschätzung und Überheblichkeit, sondern auch handfeste Begrenzungen, Übertragungsprobleme und Verträglichkeiten an den Schnittstellen zwischen den neuen Werkzeugen und den menschlichen Fähigkeiten sind zu beachten. Trotzdem bestehen die Möglichkeiten, die Begrenzungen und Potentiale kennenzulernen, mit Größenordnungen zu spielen und Wichtigkeiten und Unterschiede erkennen zu können.

2. Umweltsituation im Raum/Zeit-Bezug

Der Vorsprung der angewandten Geowissenschaften in der Handhabung großer Datenmengen und komplexer Situationen spricht für eine Bestandsaufnahme vorhandener Verfahren und Daten. Die Lernkurve in der noch jungen Umweltinformatik kann auf diese Weise abgekürzt und somit dringend benötigte Zeit für die Bewältigung der Ursachen gewonnen werden, soweit sie aus den Wirkungen abzuleiten sind.

Fortgeschrittene Techniken wie die Geostatistik können helfen, durch Sezieren oder Explorieren dem Bearbeiter und Betrachter ein Gefühl für die Datenstruktur, Größenordnungen und Vertrauensbereiche zu geben. Unsere komplexe Umwelt ist nicht homogen. Wie Phasenübergänge und Ausbreitungsrechnung in den Erdwissenschaften (z.B. im Lagerstättenbereich) behandelt werden, sollte uns spätestens morgen helfen, unser Sorgenkind ,,Boden" besser zu verstehen. Das farbige Anlegen und thematische Aufbereiten hilft, ,,Durchblick" zu verschaffen, neue ,,Perspektiven" zu entwickeln und Dinge ,,auf den Punkt" zu bringen.

,,Kein Risiko wird reduziert, bloß weil man rastlos registriert und darstellt)."

Das Umwelt-ABC.

Weiterhin geht es neben der vielbeschworenen Datenreduktion um die Vermeidung überflüssiger Daten, und zwar gleich bei der Erhebung, indem Meß- und Darstellungsstrategien eingesetzt und verbessert werden. Die momentane Erhebungseuphorie wird sich dann geben. Vorhandene, jahrelang erhobene Werte werden gesichtet, Veränderungen deutlich und kritische, interessante Faktoren ,,auf einen Blick" sicht- und damit modellierbar.

2.1 Ausgewählte geowissenschaftliche Einsatzbereiche,

Umweltrecherche, -analyse und -interpretation in der Praxis

2.1.1 Geographie und Kartographie

Thematische Karten und Kartogramme beruhen auf Datenunterdrückungs-, Generalisierungs- und Strukturierungs-Techniken. Dieses Wissen und diese Fähigkeiten dürfen durch die Computer-Kartographie nicht verloren gehen. Das ansprechende Aufbereiten aus der Schule der Kartographen und Kalligraphen ist unabdingbar, wenn die Thematik aufgenommen werden soll. Schon eine unglückliche, automatische Farbzuordnung, falscher Maßstab, Ausschnitt- oder Symbolwahl können ablenken oder den Inhalt nicht zur Geltung kommen lassen.

Die Darstellung von Verteilungen/Ausbreitungen in Atmosphäre, Wasser und Boden muß einem Vertrauensvorschuß genügen. Mit dem Finger ,,vor Ort" nachvollziehbar wird plötzlich die Probendichte und -varianz und das lnterpolationsverfahren wichtig. Es geht um Aussagesicherheit, und die leidet leicht bei allzu großzügiger Flächenfüllung.

Bei Atmosphäre und Wasser ist durch Dynamik und Turbulenzen natürlich der Bedarf an Hilfsmitteln noch erheblich größer. Schadstoffmodelle im Küsten- oder Nordseebereich, Tidenmodelle usw. oder die Modellierung von Rauch- oder Oelfahnen mögen als Beispiele gelten, bei denen Linien gleichen Zustands, z.B. Iso-Dosen, als Standarddarstellungsverfahren eingesetzt werden.

Beispielhaft soll hier die Möglichkeit, Bioindikatoren zur Charakterisierung ökologischer Standort- bedingungen einzusetzen, genannt werden. Mit Hilfe von Zeigerpflanzen werden Indikatoren zu Standortmerkmalskomplexen, wie Bodenfeuchte, Nährstoffgehalt und Bodenreaktion, ermittelt.
 
 

2.1.2 Geochemie

Die Analyse räumlicher Stoffzusammensetzungen und -verteilungen läßt sich direkt auf Erhebungstechniken im Umweltschutz anwenden. Auf internationaler Ebene haben sich Gesellschaften für Geochemie und Gesundheit schon früh gebildet, um die Auswirkungen

natürlicher Expositionen untersuchen und beschreiben zu können. Zur Basisdatenerhebung gehört seit langem z. B. die Probenahme von Schwermetallen in Sedimenten, Gewässern und Böden. Neben der natürlichen Umweltbelastung, die erst einmal zu erheben war/ist, sind die durch unsere industrielle Zivilisation verursachten Belastungen kontinuierlich zu erfassen. Ergebnisse sind der natürliche, ortsbezogene Normalwert, Annahmen über das Selbstreinigungsvermögen und1 sobald sich anthropogene Veränderungen aufspüren lassen, auch dank der Geomorphologie und der Geohydrologie ein möglicher Hinweis auf Emissionen oder Einleitungen. Zum Nachweis kann es dann immer noch ein weiter Weg sein. Ist aber durch Ringmessungen ein Abgleich der Meßmethoden erfolgt und sind durch entsprechende Mehrfachmessungen Ausreißer und Meßfehler berücksichtigt, schließt sich das Netz.


 

2.1.3 Geologie, z.B. Geostatistik

Es handelt sich um ein lnterpolationsverfahren der mathematischen Geologie, das die geometrische Lage von Proben berücksichtigt. Strukturdaten werden als Modell der räumlichen Variationsfähigkeit dargestellt und erlauben in rechenintensiven Verfahren die Verprobung von Datensatz und Modell. Optimale lineare Schätzwerte und deren Schätzvarianz werden ermittelt. Strukturmodelle lassen sich auch auf andere nicht so gut verprobte oder in Teilbereichen nicht zugängliche Felder ausdehnen und erlauben durch gezielte aber begrenzte Probenahme eine erhebliche Verbesserung des Modells oder der Daten. Die Darstellung beliebiger Schnitte durch stufenlose lntensitätszuordnungen und die Überlagerung von Varianz und Wert liefern ein gutes Abbild der Datenstruktur.


   

2.1.4 Geophysik, z B. Exploration und Lagerstättensimulation

Auch anthropomorphe Lagerstätten lassen sich mit eingeführten Werkzeugen und Modellen bearbeiten. Die Medien mögen andere Charakteristika haben, aber Druckverteilungen, Fließrichtung und Porösität sind hier wie dort ausschlaggebend.

Endlagerstätten sind ebenfalls ein Thema, an dem der heutige Umweltschutz in bezug auf Dichtigkeit, Verhalten unter Druck, Temperatur, Alterung etc. interessiert ist.

Die Kenntnis der Stoffeigenschaften und des Verhaltens bei Phasenübergängen und Medienbrüchen ermöglicht komplexe Berechnungen und Simulationen. Die Erfahrung bei der Erschließung von Erdöl und -gas kann genutzt werden, um Reaktionen, z.B. in einer Deponie, abschätzen zu können.
Komplexere Berechnungen und Blockdarstellungen helfen Annahmen, Volumenberechnungen etc. mit größerer Genauigkeit durchzuführen und anschaulich darzustellen.

2.1.5 Geodäsie und Photogrammetrie

2.1.5.1 Nah- und Fernerkundung

Optische oder digitale Aufnahme, Maßstab, ebene oder räumliche Auswertung und viele weitere Kriterien bestimmen die Wahl der Meßmethode. Selbst wenn die Spektralauswertung, seit kurzem auch die Radaraufnahme oder Hochleistungsoptik, erstaunliche Resultate liefert und nachgeschaltete Mustererkennung große lnterpretationshilfen leistet, ist der Objektabstand ausschlaggebend. Verfügbarkeit, wiederkehrende Befliegung, Kosten und großräumiges Erfassen sprechen für die Satellitenaufnahmen, spezielle lnterpretationsanforderungen, Detailgenauigkeit und die standardmäßige Stereoauswertung dagegen für die konventionelle Befliegung. Eine weitere Genauigkeitssteigerung ermöglicht die ,,Tief"erkundung mit speziellen Flugzeugen und Hubschraubern. Neben der Areomagnetik zum Aufschluß von Deponien soll speziell auf die Waldschadensforschung in erosionsgefährdeten Hochgebirgslagen aufmerksam gemacht werden. Geländeneigung, Unzugänglichkeit und Witterung stellen hier extreme Anforderungen. Ergebnisse solcher Naturraumkartierung zeigen, daß nicht nur durch die geringere Witterungsabhängigkeit Kosten/Nutzen/Zeit/Homogenitäts-Vorteile gegenüber der Ortsansprache im Flachland zu verzeichnen sind.

2.1.5.2 Digitale Geländemodelle
Farbliches Anlegen hilft, die Exposition von Flächen nicht nur für Ausbreitungsmodelle/-darstellungen herauszuarbeiten. Der Ein- oder Austrag, auf die jeweilige Geländefläche bezogen, wirkt anschaulich. Durch die Hinterlegung digitaler Geländemodelle kann die Gesamtsituation noch besser beurteilt werden. Für geo-ökologische, bodenkundliche, hydrologische und geomorphologische Fragestellungen, wie der Oberflächengestaltung/-entwicklung, kann somit in manchen Fällen auf ein physisches Modell verzichtet werden.
 

2.1.5.3 Geographische Informationssysteme

Dies sind raumbezogene Informationssysteme mit entsprechender Datenhaltung und Abfragemöglichkeiten. Nach ersten Modellierungen in militärischen Anwendungen und der Angewandten Geographie ergibt sich heute ein Spektrum möglicher Anwendungen vom Leitungskataster, Katastrophenschutz bis zu Marktinformationssystemen. Umweltanwendungen fordern Daten aus all diesen Bereichen ab und müssen sich deshalb noch weiter als die Stadt- und Regionalplanung in diesen unterschiedlichsten Disziplinen bewegen.

Da nicht einmal oberflächlich zu solchen GIS-Geografischen Informationssystemen etwas in diesem Rahmen ausgesagt werden kann, sei auf die Monographien ,,on Soil and Resources Survey" No 12, siehe P.A. Burrough, Principles of Geographical Information Systems for Land Resources Assessment, im Schrifttum hingewiesen.

3. Technische Funktionen und menschliche Fähigkeiten

3.1 Basistechnologien

Im Umweltschutz werden hohe Anforderungen an unsere Daten- und Kommunikationstechnologien gestellt. Die Komplexität, fachübergreifende Thematik und die Notwendigkeit, aus Chaos Ursachen auszufiltern, lassen uns nach neuen Werkzeugen Ausschau halten. Computer Grafik ist nur eines der vielversprechenden neuen Werkzeuge. Im Umweltbereich führen uns Datenmengen, deren Übertragung, Verarbeitung und Darstellung nahe an die Leistungsgrenze der lnformationstechnik. Such- und Auswertungsstrategien sind gefragt, um die Datenflut begrenzen, wichtiges schneller erkennen und Redundanz erst gar nicht aufkommen zu lassen. Gerichtete Suche und gewichtete Speicherung sollten uns helfen, unsere Grenzen in der Preis/Leistungsfähigkeit nicht überzustrapazieren

Die vielbeschworenen Hardware-, Software-, Datenspeicherungs- und Datenkommunikations- Technologien sind sinnvoll durch die Darstellungstechnologien zu erweitern, wobei der Nutzen in den Eingriffsmöglichkeiten, der Orientierung und Zuordnung bisher nicht in Bezug gebrachter Strukturen besteht. Die Rasterdarstellung bietet neben der Bildverarbeitung und Mustererkennung weitere grundlegende Funktionen, die physische Modelle oft ersetzen können. Die Vektor- oder Liniengrafik kann von ihren Möglichkeiten her als Untermenge der Rastergrafik verstanden werden.

3.2 Linien oder Flächengrafik?

Punkt-, linien- oder flächenbezogene Daten sind zu verwalten und darzustellen. Dafür bietet sich zuerst die Vektorgrafik an. Sie ist eine automatisierte Schreibfunktion; eine Technik, einfache Linienzüge, Schriften und Schraffuren aus Punkt- und Strichkombinationen zusammenzusetzen.

Die Rastergrafik liefert Flächenfüllungen und Grau- oder Farbwertverläufe und beinhaltet mehr als nur das Einfärben/Kolorieren. Die mögliche hohe Rasterauflösung erlaubt die Darstellung von Liniengrafik, die Kombination von Text und Grafik, die jeweilige Umsetzung über Tabellen in Grau- und Farbwerte, z.B. für Schwarzweiß- oder Farbdruck, und die Verknüpfung von Punkt- oder Bereichsdaten mit Attributen.

Die Rastertechnologie gestattet z.B. den programmgesteuerten Aufbau eines Bildes. Durch additive Farbmischung wird der durch den Vordergrund überschriebene Hintergrund kenntlich gemacht. Verdecktes wird überlagert und erlaubt so räumliche perspektivische Darstellungen ohne Berechnung der Tiefe oder Entfernung zum Betrachter (Dolchstoß-, d.h. hidden line, hidden-surface-Algorithmen). Da die Gerätetechnologie additive oder subtraktive Farbskalen verwendet, bleibt die Farbtonveränderung nach ,,Augenmaß" ein Problem. Die HLS-Skala liefert entsprechend unserer Farbwahrnehmung Orientierung und hilft somit ,,ergonomisch" den Farbraum zu beherrschen.

Differenzierungsmöglichkeiten können entsprechend der Fähigkeit des Menschen, Unterschiede und Strukturen erkennen zu können, berücksichtigt werden. Veränderungen lassen sich durch entsprechende Farb-(Grauwert)verläufe und -abstufungen darstellen. Thematische Darstellungen überlagern die Situation!

Wichtig erscheint es, das jeweils geeignete Eingabe-, Bearbeitungs- und Ausgabegerät benutzen zu können. Die manuelle Erfassung liefert z.B. weniger, evtl. ungenauere, aber dafür logisch strukturierte Daten. Das automatische Digitalisieren/Scannen liefert massenhaft Daten, doch die Reduktion und Erkennung von Linienzügen, Text und Signaturen verspricht in den nächsten Jahren bei gewissen Aufgaben einen Vorteil bei der Massendatenerfassung. Qualität und Kosten bestimmen auch die Wahl der Ein- und Ausgabegeräte. Anforderungen wie Farbe, Text- und Grafikkombination und die Verfügbarkeit von Rastergeräten in völlig neuen Preis/Leistungs-Kategorien zwingen zur Beobachtung des sich rasch wandelnden Angebots. Strichgrafik läßt sich auch als Rasterfeld darstellen. Es ist alles nur eine Frage der Auflösung und der Rechenzeit. Punktraster aber auf Linienzüge zu reduzieren, ist nicht möglich. In der Mustererkennung werden Äquidensiten oder andere Bereiche gleicher Dichte erkannt. Die ursprüngliche lnformationsdichte wird zugunsten erkannter Strukturen oder Bereiche erheblich reduziert. Dieser Prozeß ist nicht umkehrbar, und somit muß die Liniendarstellung (Vektorgrafik) als untergeordnete Darstellungsform und natürlich in vielen Fällen ausreichende und billigere Technik verstanden werden.

3.3 Farbgrafik und Farbphänomene

Wissenschaftler, Psychologen und Künstler definieren Farbe jeweils anders. Farbe kann einem Spektralbereich zugeordnet oder als Mischungsverhältnis von Grundfarben angegeben werden. Doch ohne Medium, Material und Licht nehmen wir Farbe nicht wahr und die Wahrscheinlichkeit, daß dieselbe Anordnung unterschiedlich wahrgenommen wird, ist groß. Additive und subtraktive Farbskalen (RGB,CMY) oder Grauwertskalen (S/W oder W/S) sind durch die Gerätetechnologien vorgegeben. Sie eignen sich aber nur begrenzt für die Beschreibung und damit für die ,,ergonomischen" Änderungen. Da lntensitätspaletten durch Rechner umgesetzt werden können, empfiehlt es sich, Farben oder Grauwerte so zu definieren, wie sie vom Menschen wahrgenommen und unterschieden werden, nämlich nach ihrer lntensität/Helligkeit/Kontrast (Hellbezugswert verglichen mit Normalweiß), ihrem Farbton (dominierender Wellenlänge) und ihrer Sättigung (Reinheit, spektraler Farbanteil) (nach v. Helmholtz, Ende des 19. Jahrhunderts, definiert>. Eine erste Vereinbarung wurde 1931 als CIE-xyz Norm  <Commission Internationale de l'Eclairage>, dem RGB-System, eingeführt. Alternativ dazu konnte sich 1961 die Norm CIE-UCS (Uniform Color Space), die von einer gleichförmigen Verteilung der Farben ausgeht, durchsetzen. [UCS oder h, v, l:  hue, saturation, luminance oder lightness].

Entsprechend den unterschiedlichen Anforderungen, z.B. in der Druckindustrie, und mit dem Ziel einer ,,objektiven, reproduzierbaren" Definition von Farbe setzen sich weitere Modelle durch. Sie bauen in der Regel auf dem Roods'schen Doppelkegel oder dem Farbbaum bzw. der Farbkugel nach Munsell auf. Die Farbwahrnehmung als Interaktion von Licht, Materie und Retina sowie der Übertragungs- und Speicherungsmedien (Bildschirm und Ausgabe) bleibt aber subjektiv.

Wie groß eine Farbtabelle sein kann, wie sie von welchem Gerät umgesetzt wird, oder ob die direkte Definition der Farben bei 32-bit Tiefe pro Bildpunkt vorzuziehen ist etc. sind Fragen, die nur im Einklang mit den Anwendungsanforderungen und technischen Möglichkeiten beantwortet werden können. Sind z. B. drei Datenklassen durch die Farbvariablen auszudrücken, können nicht nur Beziehungen und Strukturen, sondern auch neue Datenkategorien sichtbar werden. Wird z.B. der Farbton für die jeweiligen Nutzungsklassifikationen benutzt, kann die Intensität/ Helligkeit (Schattierungen) die Oberflächenbeschaffenheit darstellen und eine Sättigung proportional zur Höhenlage festgelegt werden. Die gesättigten Bereiche ab xy Meter über NN werden so herausgehoben/deutlich. Die Sättigung wird auch gerne zur Darstellung athmosphärischer Effekte wie Dunst, Nebel oder Wolken durch Zugabe weißen Lichts verwendet.

Farbe übt eine starke Wirkung auf die Umgebung aus. Die Farbharmonie als Bezug der Farben untereinander spielt neben der Kontrastwahl eine große Rolle. Warme Farben erscheinen mehr im Vordergrund und aktiv; kalte Farben dagegen eher passiv und zurückgesetzt.
   

3.4 Der Mensch als lnformationsverarbeiter

Der Prozeß der menschlichen Verarbeitung ist zu einem großen Teil abhängig von seiner visuellen Aufbereitung und dem jeweiligen individuellen Zugang. ,,Ein Bild sagt 10.000 Worte", sagen die Chinesen, doch der Inhalt wirkt nicht auf jeden Betrachter ,,ansteckend".
 
 

Wan yen I hua

10.000 words - 1 picture  

10.000 Worte - 1 Bild


Wan Ii wan shu

10.000 miles - 10 000 books

10.000 Meilen 10.000 Bücher

Die übermittelte Bildinformationstiefe entspricht der individuellen Fähigkeit wiederzuerkennen und zu assoziieren. Hilfsmittel zur Aufbereitung und Reduzierung liefert nicht nur die Statistik, sondern auch das jeweilige Darstellungsverfahren.

Beispielhaft für eine interessante Kombination von Datenanalyse-Grafik sei auf die mehraxige Darstellung qualitativer und quantitativer Beziehungen hingewiesen, die eine extreme Datenkompression erlauben. Solche schiefwinkligen Streudiagramme zeigen Präferenzen oder Substitutionsbeziehungen auf und bieten durch die Gruppierung interessante Analyse- und lnterpretationsmöglichkeiten. Dem Fachmann sagen diese Darstellungen vielleicht sogar mehr als tausend Worte.
 
 Gestalt- oder Strukturwahrnehmung setzen neben Orts- und Sachkenntnis auch Intuition und Übung voraus. Die Kategorien Raum und Zeit sind hierbei ganz selbstverständliche Rahmen und Richtschnüre unserer Denkgewohnheiten. Ob zuerst Auge oder Gehirn entstand, bleibt ein beliebter akademischer Streitpunkt. Eine neue Qualität entsteht, wenn nun imaginäre Blickrichtungen und Ausschnitte gewählt werden können.

Die Versuchung, durch bewegte Bilder noch mehr Informationen zu übermitteln, ist groß. Doch die Tiefe bzw. der Inhalt des technisch Machbaren ist nicht vermittelbar. Auch hier gibt es einen Grenznutzen, und man sollte der Qualität der Darstellungen den Vorzug geben. Überfluß an Videobildern macht schläfrig und ist somit ein Anzeichen für das Abschalten von Bewußtsein und Interesse. Studien über die maximale Aufnahme-Auflösungsfähigkeit des Menschen helfen da nicht weiter. Kommunikation bedarf eines Empfängers; die ,,Wellenlänge" der Sendung bestimmt das individuelle Interesse und eine Überladung führt früh zur Abstumpfung. Ein Zuviel an Farben, keine Farbharmonie, die Beleuchtung, der Hintergrund,... viele Faktoren bestimmen, ob Verwirrung oder Erleuchtung nach der Betrachtung eintritt. Den Inhalt auf ein Minimum zu beschränken ist ein Weg, der andere ist Darstellung als Kunst zu betrachten, die nicht jedem gegeben ist. Eine Beschränkung wie in der Schriftsprache auf Einfachsätze verringert sicher nur das Aufnahmevermögen und behindert das notwendige Training, Strukturen und Ähnlichkeiten durch Augenschein zu sichten. Die Gefahr ist groß, daß die Strukturen durch mangelndes Training keine Fragen aufwerfen, und somit Clusteranalysen als alleiniges Werkzeug zur Bearbeitung komplexer Situationen angesehen werden.

3.5 Visuelle Demagogie

Mächtige Hilfsmittel lassen sich besonders wirksam mißbrauchen. In der Geschäftsgrafik wurde schon früh ein Kodex entwickelt, um unprofessionelle Manipulationen zu ächten. Unter der Maßgabe, daß wir von datenhinterlegter Grafik reden, lnfografique wie die Franzosen sagen, dürfen diese originären Daten nicht geändert werden; sie sind schätzenswert. Im Gegensatz hierzu erstellt künstlerische Grafik bunte Bilder ohne Anspruch auf Datenpräsentation und Bezug. Daß bunt auf weiß leicht für wahr genommen wird, zeigen Studien, die eine Testgruppe durch entsprechende Grafik jeweils zu den vorhergesagten Entscheidungen verleiteten. Durch Farbe, räumliche Darstellung und integrierte optische und digitale Bilder wird dieser Vertrauensvorschuß weiter untermauert.

Im Kodexentwurf von 1964 heißt es:
,,Die Darstellung soll nicht aus positivem oder negativem Blickwinkel erfolgen. Heraushebung, Kombination oder Auslöschung von Daten ist zu verhindern!"

Neben der Datentreue wird die Farbwahl und -harmonie immer wichtiger. Emotionen wie Abneigung, Interesse und Unruhe lassen sich einstreuen. Höchstwerte in schreienden Farben alarmieren, wo es nichts zu warnen gibt oder bleiben im unteren Ende der Skala der warmen Töne und beruhigen. Helles erscheint größer und im Vordergrund usw., alles ,,Weisheiten", die die Künste z.T. auch intuitiv beherrschen. Der Unterschied liegt in der quasi spielerischen Umsetzung mittels einer Farbtabelle in eine völlig andere, vielleicht Ablehnung provozierende Aussage. Farbmanipulationen wurden in der obigen Verhaltensrichtschnur noch nicht berücksichtigt.

Infografik, schwarz auf weiß oder besser bunt (farbig) auf weiß, schafft eine scheinbare Sicherheit, die auch zur Entscheidungsbeeinflussung genutzt werden kann. Datenintegrität und Farbpsychologie sind hier die Themen. Wir brauchen wirksame Werkzeuge mit Gebrauchsanleitung, um den Problemen unserer Umwelt in Grau-/ Farbabstufungen näherzukommen. Datenbestände finden wir überall. Deren Bewertung und Austausch, nicht das Verstecken von Daten, weil plötzlich Zusammenhänge durchsichtig werden, ist das Mandat der Stunde. Daß die entsprechende Präsentation Entscheidungen vorwegnehmen kann, zeigt, daß wir für wahr nehmen, was wir wahrnehmen.
 

4. Schlußsatz

Grundlegende Bausteine der Bestandserhebung und -verwaltung, wie Datenbanken sowie die Lösungsqualität für die jeweilige Fragestellung und die ,,Verträglichkeit" des Ansatzes mit anderen Daten-Umwelten, können in diesem Beitrag nicht behandelt werden. Grafik darf nicht als nachgeordnete, aber auch nicht als Basislösung betrachtet werden.

Obige Anwendungsmöglichkeiten sollen sich einprägen und anschaulich sein, damit Inhalt und Besonderheiten ,,ins Auge springen" und Weiterbeschäftigung angeregt wird. Grafik, hätte nicht die oben angeführten Qualitäten, wenn der Text mit ihr gleichziehen könnte.

Lösungen und Ansätze, farbig auf weiß, finden sich in den angegebenen Publikationen.

(Computer-)Grafik unterstützt die fundamentalen kognitiven Fähigkeiten des Menschen. Wahr-nehmen, er-kennen und unter-scheiden. In ihr stecken Nachrichten zum nach-richten und voraus-schauen. Die grundlegenden Informationen sind vorhanden, nur in der Regel nicht gesichtet worden. Begriffe und Definitionen der Sprache als Ursache von Mißverständnissen können bei der Grafik auf ein Minimum reduziert werden. Das räumlich/strukturelle Erfassen spricht direkt unseren Bewegungssinn an, wir er-fahren durch ab-fahren, ver-weilen und springen in einem Bild mit individuellem Fortschritt und Vorgehen. Nachvollzogen werden Sachverhalte erfahrbar und müssen deshalb immer einfach und begreifbar übermittelt werden. Modelle und Expertensysteme helfen, Erfahrungen zu machen und zu verknüpfen. Nur der Bezug und die Regeln sind nicht durchsichtig, sie sind genauso komplex wie das, was sie beschreiben wollen, und somit schwer nachvollziehbar. Ein Paradigma kann es für Verständnisprozesse nicht geben. Der Vollzug hängt aber von der Vermittelbarkeit ab, z.B. in der Kommunalpolitik. Grafik hat Auslöser und Vermittlerfunktion, sie erlaubt teil-zu-haben. Je bild-hafter die Sprache, desto konkreter und somit reproduzierbarer kommt die Mit-teilung an. Mit fortschreitender Abstraktion schleichen sich Synonyme und Ungenauigkeiten ein.

Eine Korrumpierung des Vertrauensvorschusses Eindrucksbild, denn es heißt doch ,,es sehen, es glauben", ist nicht auszuschließen. Doch solange uns Ursprung und Aussagesicherheit von Daten heilig sind, kann nachvollzogen, verglichen und begriffen werden. Sprache kann abstrahieren, das Bild und die Darstellung komprimieren Informationen.

Man sollte aber deshalb nicht mit M.C. Escher sagen, daß zeichnen oder darstellen, sobald eine weitere Dimension ins Spiel kommt, Täuschung ist. Grafik bietet Chancen; mit ihr können unsere Intuition, unser Gefühl für Proportionen und Harmonie gefordert werden. Aus Strukturkenntnis kann übergeordnete Sachkenntnis erwachsen. Sie kann uns lehren, uns auf professionelles ,,Gefühl" zu verlassen und einmal mehr nachzufassen, wenn es uns ,,zu bunt" wird/vorkommt.
 

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