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Folgende Auswahl DEUTSCHER  Hardcover Publikationen als Aktualisierung und Verbreiterung des Themas "FOUCAULT "heute" zum Artikels unten werden empfohlen: Raum und Virtualität - Potential oder Leere?, PostMaterialismus, Künstliche Paradiese- Virtuelle Realitäten: Fluchtwelten oder Sinnwelten - Cyberspace als Spielzeug und Orientierungshilfe?, Die Kultur der Verweigerung - Das konstruktive Nein, Ohne Zusammenhang kein Zusammenhalt, Alte und Neue Räume, - Ordnungen und - Modelle für Orientierungen, Vereinbarungen und Konstruktionen, .. Orientierungstext "Pitsch" GLOBAL FUTURE CAMP - EDUCAMP2009: Zusammenhang, Zusammenhalt und Zurechtfinden in modernen, globalen und medialen Zeiten, Kulturen und Welten

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Macht - Wissen - Gesellschaft -

Sonderheft zum 10. Todestag von Michel Foucault

Eine Reprint, auch mit Ko-Autor Andreas Goppold, erschien hier:

Wissenswelten:
Gedanken zur Organisation und Orientierung

[PDF Originalartikel 10. Todestag Foucault]

Einleitung

Foucault zeigt Überblick, Strukturen und Wege zu einem neuen Verständnis in enger Anlehnung und auf Berufung der Lehrmeisterin Natur. Welt besteht für Foucault aus übereinanderliegenden Oberflächen, Archiven, Schichten und Faltungen. ...

Auch ist für ihn Welt gleich Wissen, ein Gedächnis eingefalteten, schlafenden Wissens, dem wir uns behutsam und vielleicht auch ganz anders nähern müssen. Seine Untersuchungen der Geschichte der Wissensbeziehungen kulminiert in der "Archäologie des Wissens" wobei ihm selbstverständlich ist, daß Wissen einen Platz, einen Raum braucht, um sich entfalten und entfaltet werden zu können. (E-volution heißt Ent-Faltung). Foucault sieht Wissen dabei wie ein Gedächnis,

Zum Themenkomplex "Wissen und Macht, Bewußtsein und Gesellschaft" müssen wir uns zuerst einmal fragen, was Wissen in der gegenwärtigen Realität ist. Hat es in seiner höchsten Komplexität eine Gestalt, ist es ein Objekt, das wir manipulieren, eine Fläche die wir kultivieren (bestellen können), oder ist es ein Terrain unbekannter Dimension, eine terra incognita? - Ich will hier behaupten, daß dieses Wissen zu einer Komposition werden könnte, wenn das Zusammenfügen als Kunst geübt wird. Ebenso könnte es zu einer Gestalt gefügt werden. Die Natur zeigt uns Beispiele, wie Topologien, vom Bruchstück bis zu einem Ensemble, zu einem Ganzen verschmolzen eine neue Einheit formen. Es handelt sich um einen kreativen Prozeß beliebiger Komplexität und Dimensionalität bei dem durch die Kombinatorik und den Austausch Neues entstehen kann. Wir haben diesen Aktionsraum "Blackbox Natur" genannt, weil wir immer nur einzelne Aspekte und Sichten erfahren und begreifen können und weil die überall geforderte Wissenskarte (knowledge map), als Projektion einer Wissenslandschaft, auch immer nur eine Ebene darstellt.

Nach der Definition reicht eine Gemeinschaft so weit wie ihre Sicherheitskultur und ihr Ordnungsrahmen. Gesellschaft setzt sich nun aus einem Gemenge von Gemeinschaften mit lokalem bis globalem Aktionsraum, verschiedensten Interessen, und nicht mehr statischen, lebenslangen Loyalitäten zusammen. Das Individuum lebt vermehrt in flexiblen und einem starken Wandel unterzogenen Gemeinschaften, die nicht mehr eindeutig und ausschließlich Kulturräumen und Nationalstaaten zuzuordnen sind und lernt dabei den Vorteil der größeren individuellen Freiheit auf Kosten der Entwurzelung und geringerer Vorhersagbarkeit kennen. Einhergehend mit der größeren Beweglichkeit, körperlichen und geistigen Mobilität und der Fähigkeit unterschiedliche Standpunkte einzunehmen wächst die Erfahrung, daß Subjektivität (eine Perspektive) den Horizont einschränkt und Objektivität (polyskopisches und repräsentativ verdichtetes zusammenfassendes Wissen) den Horizont erweitert und die Toleranz erhöht. Solch eine Zusammensicht hat sogar therapeutische Wirkung, die Einzelsichten werden relativiert und das Individuum gewinnt eine größere Leichtigkeit wenn es erkennt, daß Positionen nicht unvereinbar sind, sondern andere Aspekte notwendigerweise einer anderen Position entsprechen. So können mikroskopisch "richtige" Annahmen makroskopisch "falsch" sein.

Es folgt daraus, daß besser ständig Standpunkte und Blickrichtungen abgewogen und verglichen werden sollten und vor jeder Bewertung das Bezugssystem erkannt und gemeinsame Orientierungen gesucht werden müssen. In diesem Aufsatz geht es um Ordnungssysteme und wie Wissen so abgelegt und abgeglichen werden kann, daß Ressourcen geschont und optimiert werden können. Es geht dabei auch um die Bewertung des Tuns, um die Zielfindung des Individuums in neuen Lebensformen, die von globaler Nachbarschaft und multikulturellem Miteinander geprägt sind.

Beim Wissen waren immer handlungsorientierte und situationsspezifisch praktische Aspekte für die Mächtigen ausschlaggebend. Man hielt sich die Wissensträger und auch Querdenker als Hofrat oder Clown und konnte bei der Überschaubarkeit des Wissens und der begrenzten Konkurrenz der Nachbarpotentaten so ein Wissens- und damit Macht-Oligopol ausüben. Die Wissensmenge war begrenzt und das Gefälle groß.

Heute stehen wir vor anderen Problemen. Das große Angebot und die Verfügbarkeit führen zu Problemen bei der Selektion durch mangelnden Überblick, geringe Differenzierung und unbekannte Qualität. Das ist vielleicht sogar schon Wissensanarchie zu nennen, denn es fehlt die Ordnung und der Vertrauensschutz durch den Mangel an akzeptierten Experten, auf die man sich stützen kann, oder auf deren Schultern man klettert, um weiter sehen zu können.

Nicht nur die Inflation als ungehinderte dramatische Vermehrung und Verflachung, sondern auch der freie Zugang und häufige und ständig notwendige Abänderungen haben zu einem Wertverfall und Vertrauensverlust geführt. Wir kennen nicht mehr die Quellen und Verläßlichkeiten, und das Wissen ist immer weniger lebensrelevant und handlungsbezogen. Diese Asymmetrie von Spezialisierung und Generalisierung, Segregation statt Integration und der einhergehende schwindende Überblick und Einsicht in den Gesamtzusammenhang sind Ursachen der Unsicherheit des Individuums. Es weiß: es kann sich nicht mehr auf das verlassen, was es weiß (Qualitätsaspekt). Zusätzlich kommt das Orientierungsproblem durch die Vielfalt und raum/zeitlich nicht nachvollziehbaren Quellen.

Die Informationsflut als Mengenproblem wird heute vielfach überstrapaziert. Informationsfilter lassen sich weiterentwickeln und sind Grundausstattung des Menschen. Kernprobleme werden dagegen im vorsätzlichen oder unbeabsichtigte Mißbrauch und in der Unternutzung von vorhandenem Wissen gesehen, wobei es unerheblich ist, ob Inhalte nicht bekannt oder nicht greifbar sind. Herangezogen wird für diese Argumentation Foucault, wie er zum Beispiel als "Neuen Archivar" in der "Archäologie des Wissens" sich stark mit entscheidungsrelevantem und handlungsorientiertem Wissen für den Machterhalt auseinandersetzt. Dies ist natürlich auf die neuen multikulturellen "globale" Lebens- und Wirtschaftsformen zu übertragen und kann helfen, die sich entwickelnde Kommunikationskultur zu gestalten. Ziele sollten dabei sein, wie die vorherrschende "Engstirnigkeit" und geistige Erstarrung, eine umsichgreifende Indifferenz und Vagheit und ein schwindender Praxis- und Lebensbezug zurückgedrängt werden kann. Der Artikel versucht diesen Problembereich aufzuarbeiten und beschreibt deshalb Methoden, mit denen subjektive monoperspektivische Positionen relativiert werden können. Er zeigt weiterhin wie durch gezielte und nachvollziehbare Kommunikation in einem erweiterten Bezugsrahmen zu einer Horizonterweiterung im Rahmen der vorgestellten Orientierungsrahmen und einhergehend mit einer größeren Offenheit und zu einem integralem Denken und einem anderen Selbstbewußtsein des Menschen führen könnten, und welche Vorarbeiten dazu in den Werken von Foucault, aber auch, wegen der großen konzeptionellen Nähe, bei Leibniz, zu finden sind.

Mehr im Sinne von Foucault bleibt zu fragen, wie neue Gesellschaftsformen aussehen könnten. Welche Staatsideen überholt sind, welche Strukturen der Macht sich verändern oder anpassen, und welche Einstellungen und Lebensstile sich als Ergebnis globaler Kommunikation und internationaler Präsenz und gleichzeitiger Vereinsamung und Abschottung einstellen werden. In diesem Artikel werden wir uns weiterhin fragen wie man vorgegangen könnte und ob es einen umfassenden Zusammenhalt für Wollen, Wissen und (gutes) Tun gibt. Angeboten werden Überlegungen zu Vehikeln wie Bildern oder Metaphern, die greifbare und allgemein wirksame "ansteckende" Visionen vermitteln und damit zum konkreten Handeln anregen können. Verwiesen sei hier auf die Arbeiten zur Wirksamkeit von Metaphern zur Steuerung des politische Diskurses.

Die Probleme: Quantität, Qualität, Integrität von Daten und Information

Diese Industriegesellschaft redet vermehrt von der Informationsüberflutung, meint aber die mangelnde Möglichkeit, die Information einordnen und dann im Zusammenhang verstehen und darstellen zu können. Es scheint also eher an der Orientierungslosigkeit und mangelnden Bewertbarkeit zu liegen und damit einhergehend an der Unternutzung von vorhandenem Wissen. Zusätzlich ist der Verfälschung Tür und Tor geöffnet, wenn die Vollständigkeit nicht absehbar ist. So wird der Isolierung und dem Mißbrauch und der Erzeugung eines falschen Anscheins Vorschub geleistet. Nicht zuletzt geht es um die Horizonterweiterung des Menschen, wenn er in neues Terrain, in Flucht-, Schein- und neue Sinnwelten vorstößt. Er wird mit Teilwissen von außerhalb des der bisherigen Erlebenswelt konfrontiert. Das Individuum weiß dann zwar sehr genau, daß es "schwimmt" und alte Markierungen und Wege fehlen oder nicht mehr stimmen, aber es kann ohne schnelle Neuorientierung nur emotional reagieren.

Qualitäts- und Ordnungsaspekte für Daten, Informationen und Wissen stehen deshalb im Vordergrund der Überlegungen zu persönlichen Sinn- und Verständnisfragen als Grundstock gesellschaftlicher Strukturen und Macht. Der Faktor Qualität stellt dabei eine kritische Eingangsgröße für Begriffswelten. Ähnlich wie bei Foucault versucht die moderne Wissensorganisation die Spreu vom Weizen in der Daten- und Informationsflut zu trennen. Hier wird der Ruf nach Standardisierung, neuerdings auch nach "Harmonisierung" lauter, um fächerübergreifend Sprachregelungen zu finden und Vorgehensweisen abzustimmen zu können. Sicher im Sinne von Foucault ist der Vorschlag, Kernwissen, Peripheriewissen und Schein-(Pseudo)-wissen zu trennen. Man kann man es mit der Trennung von Rauschen und Signal vergleichen. So sollen allgemeine Begriffsverwirrungen weggefiltert werden und nur noch "universell gültige Aussagen über diese Welt", à la Foucault, abgelegt werden. Kernwissen, das nicht dem Verfallsprozeß unterliegt und abstraktes Wissen: präzise und synthetisch, übertragbar und wertvoll ist (siehe hierzu auch Fußnote 4). Das Problem der Ordnung, Verwaltung und des menschenfreundlichen Zugriffs ist aber damit noch nicht angegangen.
 
 

Die Lösungsansätze: Ordnungsrahmen, Orientierungshilfen, Zusammenschau

Nach Gilles Deleuze ist mit Foucault "ein neuer Archivar" ins Land gekommen. Er will erst einmal für Ordnung sorgen, er hat seine strukturale Technokratie im Säckel und sieht den goldenen Weg nicht in der Berufung auf alte Größen, sondern in einem Trick: Er will nur noch Aussagen berücksichtigen! Nichts mehr mit Zusammenhängen und Hintergründen, nein nur neutrale eindeutige Aussagen! Für das Archiv! Er wird sich nicht mit Bewertungen wie: zutreffend, wertvoll, nutzlos, verläßlich, etc. beschäftigen, sondern tiefergehend "mit veränderten Sehweisen" und Strukturen "durchleuchten". Dahinter stand für Ihn eine Suche nach neuen Lebensweisen und Lebensformen, die dann andere Machtorganisationen und Wissenszugänge zwangsläufig entstehen lassen.
 
 

Sachordnungen und Wissensverwaltung

Der Mensch versucht Dingen, die er nicht versteht, zumindestens eine Nummer zu geben, unter der er dann Suchen kann, oder das Ganze zu verdrängen beziehungsweise auf einen Zettel zu "verlegen". Gehen wir davon aus, daß ein ordnender Geist eine Systematik sucht. Der erste Schritt ist eine Listenaufstellung. Es gibt dann einen Titel und viele Untertitel und nach der jeweiligen Aufgabenstellung können so erstaunliche Sammlungen in jedem Fachgebiet und mit großer Tiefe erfolgen. Eine Sammlung aller Sammlungen oder Thesauri ergibt schon wieder eine Enzyklopädie. Leider können dabei Aspekte und Zuordnungen nicht mit abgebildet werden, warum zum Beispiel eine Sammlung und Anordnung erfolgte und wie im Einzelfall Einordnungsprobleme oder Doppeldeutigkeiten gelöst wurden. Auch handelt es sich hier in der Regel um hierarchische Aufzählungen und Untergliederungen (Baumstrukturen), die eine willkürliche und einseitig (flache) Abbildung des Kosmos sind und keine Querverweise und nicht-lineare Kompositionen gestatten. Eine "göttliche Heirat" (supreme marriage, hieros gamos) zwischen Netz und Hierarchie wurde kürzlich gefordert und wird durch sphärische Konfiguration, moderne Hypertext- (nicht-linearer Text) und graphische Darstellung versucht, Themen auf für Menschen nachvollzieh- und mitteilbare Ebenen herunterzubrechen.

Jedenfalls bedarf es eines einfachen Rahmens als Dachsystem oder übergreifende Ordnung, quasi als Bezugssystem für die Gliederung der begrifflichen Welt. Wichtig ist hier die Universalität und der innere Zusammenhalt, der nur makroskopisch abgebildet werden kann, aber so zumindestens Orientierungshilfe bietet. Kriterium sollten hier die Systematik der Innenstrukturen sein. Schon Kant sprach in seiner "Kritik der reinen Vernunft" von der "Architektonik", einer "Kunst der Systeme", in der die Form, Inhalt und Zweck harmonisch miteinander verwoben werden. Ein Schritt in diese Richtung ist das bereits 1980 vorgestellte ICC Informations Klassifikations System und dieses sollte herangezogen werden, um nicht nur die Fragen der Disziplin oder Aufgabenorientierung der Fächeraufteilung neu betrachten und überdenken zu können, sondern auch durch Einsichten in Musterwissen und Wissensmuster den endlich notwendigen Paradigmenwechsel von kognitiven Schmalspurausbildung zur handlungs- und aufgabenbezogenen Erziehung vorzunehmen (wie zum Beispiel auch von F. Vester gefordert). Die Möglichkeiten eines "Systemifikators" zur Förderung des Zusammen- und Querdenkens sollten ausgeschöpft werden. Nur so kann geziehlt fehlendes Wissen, z. B. durch Verschmelzungen wie in der Bionik, oder durch die Methoden der Leerstellenanalyse erschlossen werden. Auf diese Weise können Vokabeln wie Querdenken praktisch nachvollziehbar werden und vom Stallgeruch der Scharlatanerie befreit werden. Auch könnten Brücken gebaut zu Inhalten die nicht sachlich, sondern nur durch den individuellen Zugangs getrennt sind. Auf der einen Seite steht der Kenner und Experte, auf der anderen Seite das Kind oder der Laie, der "nur" Schönheit und Harmonie erahnt; beide aber vereint kommen der Dualität des Wissens nahe, dh. Kennen vs. Intuition. Hier liegt wohl auch die Quelle des fachübergreifenden, kreativen Querdenkens. Nämlich ein Thema zu transformieren, es in einen anderen Zusammenhang stellen und dabei durch Ähnlichkeitsoperationen eine neue Lösung zu eröffnet.
 
 

Ortsbezug und Sachbezug, der Verbund von Ordnungen

Wie schon oben angedeutet, liefert die Natur uns eine herrliche Metapher und bietet als Anhalt ein fraktales Ordnungssystem (Holographisches Paradigma/Weltbild) um mit dem nächsten notwendigen Brückenschlag in der Wissensorganisation fertig zu werden. Leibniz nahm auch diese Ideen in seiner Monadologie vorweg.

Der konkreten eingefalteten Ordnung der "Naturraumlandschaft" wird eine thematische oder Wissenslandschaft über die Größenordnung zugeordnet. In diesem zusätzlichem Referenzraum sind nun Zeiträume und Zeitpunkte zu definieren und anzusteuern, somit Prozesse abzubilden, auch langsame Prozesse als Träger schneller Prozesse. Dieser Wirk- und Operationsraum der "Wissenslandschaft" war bisher nur abstrakt und somit schlecht vermittelbar und erlaubt den Übergang über die Fachbegriffe zu den Begriffs-Landschaften. Neu ist, daß durch die Beschreibung einer Wissenslandschaft mit ihrer Verschränkung und optisch-visuellen Einordnung und Beschreibungsmöglichkeit eine konzeptionelle Beziehung zwischen den bibliographischen Wortlandschaften und raumzeitlichen Sach- oder Objektwelten hergestellt werden kann.

Auch soll das konventionelle "inside the box" Denken begrenzter, utilitaristischer Weltbilder angegriffen und aufgelöst werden, indem dieses erweiterte Referenzparadigma angeboten wird.

Nach dem Entwurf eines Grundrisses für die Wortwelten und einer Brücke zur physischen Welt kann der Versuch angetreten werden den Canyon zwischen faktischen und abstrakten Dimensionen, zwischen Sprache und Bild zu überbrücken. In diesem neuen Terrain finden sich wieder Skalen, Beziehungen, Abläufe, Proportionen und Konsequenzen; der Unterschied besteht aber darin, daß in dem neuen Plan oder Entwurf ein breiteres Realitätsabbild gezeichnet wird. Diese optisch anschaulich und einfach beschreibbar darzustellen ist eine Herausforderung. Wir werden so zu be"greif"baren oder über"schau"baren Skalen kommen und uns hoffentlich besser über kritische Faktoren und Größen, Horizonte und Ebenen austauschen können. Einblick verbunden mit Überblick ergibt den Durchblick!

Im folgenden setzen wir uns zuerst mit Nomenklaturen und Sprachwelten auseinander und stellen dann Überlegungen zur Aussagequalität und Wissensstrukturierung mit raum-zeitlichen Bezug an. Im Rahmen der Diskussion um die Tragfähigkeit des Planeten und der Dynamik ökologischer Prozesse erscheint die direkte Verknüpfung von Wissen mit der Realität, dem Abgleich und eine Ressourcenoptimierung, also Abstimmung und Harmonisierung, von ausschlaggebender Bedeutung.
 
 

Orientierungsprobleme in explodierenden Sinn- und Scheinwelten

Wir stehen heute wie damals vor demselben Dilemma eines "neuen Archivars" der seinen Bestand der Aufgabe anpassen muß. Es ist sicher legitim, nach neuen und alten Wegen zu suchen, auch wieder nach einer "Archäologie des Wissens" und Wissensexploration ("knowledge mining" ist das neue Schlagwort). Der Stand der Forschung und noch mehr der Anwendung ist bescheiden, wenn man dies im Lichte der Notwendigkeiten betrachtet, nämlich Orientierung zu liefern und Wichtigkeiten und Zusammenhänge in nicht mehr optisch und physisch für den Menschen überschaubaren Verhältnissen herstellen zu müssen. Dieser Artikel versucht aber gerade hier, in Analogie zum Auge und Mikroskop und Teleskop, mittels der Informationsverarbeitung und Umsetzung in "anschauliche" Wissensobjekte und Wissensgebäude, Zusammenhänge besser und anschaulich darstellen zu können.

Die globale Nachbarschaft stellt uns dabei aber vor ganz neue und tagtägliche Probleme. Unbegrenzte Quellen und Kanäle beliefern uns mit Nachrichten, um die wir nicht gebeten haben und deren Aussage und Wert wir nicht in Bezug setzen können, die uns im Innersten verunsichern, denn wir könnten ja etwas lebensnotwendiges verpasst oder nicht erkannt haben. Es fehlt augenscheinlich an einem Modell, in das alles vorhandene Wissen integriert werden kann. Nach Karl Popper soll daher ein universelles Modell Grundlage und Voraussetzung objektiver Erkenntnis sein, ohne daß alle Beobachtungen und Aussagen Stückwerk bleiben. Solch ein Modell müssen wir Weltbild nennen, ein Referenz- und Ordnungsrahmen über das Einigung zu erzielen ist und das dann helfen kann, gezielt über Situationen und Objekte wiederholbar kommunizieren zu können. Wichtig ist die Trennung vom Bereich der Weltanschauung, gerade weil es sich um beobachtbare Objekte im Kosmos handelt und lediglich der Bezugsrahmen der perspektivischen Anschauung erweitert werden soll. Gewissermaßen über den Tellerrand der physisch beobachtbaren Welt hinaus, indem abstrakte Dimensionen wie Größenordnungsebenen und Zeiträume, aber auch bibliographische Begriffswelten mit einbezogen werden müssen. Es werden also drei ineinander verschränkte eingefaltete Ordnungen oder Landschaften angeboten.
 
 

Das Bild als Mittler und Katalysator

Sprechen ist für Foucault von ganz anderer Qualität als Sehen. Es ist sinnvoll sich über Allegorien oder Metaphern ein Bild zu machen. Es wird erzählt, daß Satellitenbilder der Erde mehr bewirkt hätten als alle Theorie und so letztendlich der Erdgipfel und ein Dialog zur "globalen Nachbarschaft" erst möglich geworden ist. Eindringlich kann durch anschaulichen Bilder gezeigt werden, die Gaia als Ganzes und Verletzliches zeigen, wie ein Zugang zum Bewußtsein der Zusammengehörigkeit aller Menschen und der Verständigung zwischen den Nationen möglich wird. Das Bewußtsein der Menschheit würde sich grundlegend durch Augenschein und einen gemeinsamen Bezugsrahmen weiterentwickeln ist eine Grundmaxime der internationalen Politik.
 
 

Schluß

Nach einer Zeit der Spezialisierung erscheint es an der Zeit, sich vermehrt aus systemischer Sicht dem Zusammenhang von Ausbildung, Forschung und Anwendung zu widmen. Sinnfragen werden vermehrt in dieser Gesellschaft gestellt und die Flucht in künstliche "Cyber"welten zeigt, daß es an etwas fehlt. Angeboten wird durch die vorgestellte Entwicklungsrichtung ein Zusammenhang, der Orientierung liefert und besonders von Kindern in Gruppen und "Computer Camps" mit Interesse aufgenommen worden ist. Sie suchen nach offensichtlichen und leicht verständlichen Strukturen, einem Zusammenhang und eine verständliche Gesamtordnung and der man sich reiben kann, die aber auch Halt bietet. Halt für den Einzelnen und Rahmen für die Gemeinschaft. Strategische Machtbeziehungen kulminieren für Foucault im Willen zum Wissen, wobei Überwachen und Strafen niedere Willensformen sind, die wir alle in der Kindheitsentwicklung ablesen können. Willen zum Wissen ist das Streben nach Selbstbestimmung, vor allem Macht über sich Selbst, das Herauskommen aus der Macht der Anderen, wie Eltern, Lehrer, Chefs, Polizei, Richter, über das Individuum. Wissen ist Befreiung aus der Fremdbestimmung, die über Überwachen und Strafen als primitivste, archaischste, und brutalste Konformitätserzwingungsmaschinerie wirkt.
 

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Ich sehe gerade (Notiz Juli 2012) der ZUKÜNFTE Editor hat die Fußnoten nicht gedruckt / gestrichen. Und dies ist diese editierte Version ! Hier die Anmerkungen aus der Originalversion.TÜTE Seite 44 (plus mal "moderner" einiger Links)

1 Howard Rheingold spricht im Rahmen der heutigen internationalen Computernetze von Virtual Communities. Rheingold Howard: "Virtuelle Welten 1992

2 S.a. Prinzip Verantwortung - Wege zu einer integralen Umweltwissenschaft, Symposium in memoriam Hans Jonas, Ev Akademie Hofgeismar, Juni 1993, Benking, H., Schwitte, J.: Leitziel: Interdisziplinäre Umweltwissenschafen ebenda zu: Desorientierung durch mangelnde Unterscheidungsmöglichkeiten nach Kriterien wie: wesentlich, weniger unwesentlich, unwesentlich, wenn wesentlich? entscheidungsrelevant? wissenschaftlich? s.a. Ausstellungen: Aufgaben und Ziele der Geowissenschaften, & Alfred Wegener Stiftung 1991, GLOBAL CHANGE 1990, LOCAL AND GLOBAL CHANGE 1991, Ursprung "GLocal" (wikipedia)

3 Dies trifft besonders für die Computer-Grafik als gefährdeter und gefährdender Bereich zu. Hier wurde in den 60iger Jahren an einem Ethik-Code gearbeitet, um auf gezielte Manipulationsmöglichkeiten durch willkürliche Datensichten und "-beleuchtungen" aufmerksam zu machen. siehe GI 1987 Möglichkeiten und Grenzen der Datenpräsentation....

4 Hier ist anzumerken, daß neben Wissen auch niedere Formen wie Daten, Informationen, Nachrichten (messages) in solch ein übergeordnetes (Qualitäts-) Ordnungssystem eingefügt sind. Siehe insbesondere: Knowledge Organisation 21 (1994) No1, P Jaenecke: To what end Knowledge Organization? pp 3-11 und K.O.20 (1993) No4, A.A.Krushanov: The Picture of the World and Knowledge Organisation pp. 192 und ISKO Environmental Knowledge Organization and Information Management Beitrag "Visual Access and Assimilation Strategies" Proposals and Lessons Learned. GTW-TKE '96 & '99-link und PAKM'99 proposal

5 Spherical Configurations of Categogories to reflect systemic patterns of environmental checks and balances, Anthony J.N. Judge in: Knowledge Organization in Subject Areas, INDEX Verlag, Vol. 1 (1994) p 1-21 nd Hunting for Vicious Problems and Human Potentials, VOL I-III, 1994

6 Wissensmuster und Musterwissen im erfassen klassifikatorischer Ganzheiten, Dahlberg, I., In: Wissensstrukturen und Ordnungsmuster, Gesellschaft für Klaassifikation, Bd.9 (SK9)

7 Goppold, Andreas: "Das Buch Leibniz", Institut für Informatik 3.2,Universität der Bundeswehr München, 1988 und Benking, Heiner: Einblick, Überblick, Durchblick realisieren und demostrieren in der "Blackbox Natur" dem Zauberwürfel der Ökologie.

8 Neiryk belegt, daß ein Drittel der Franzosen sich nicht vom Weltbild des Ptolemäus haben abbringen lassen. Sie beharren auf der offensichtlichen Beobachtung, daß "die Sonne sich um die Erde dreht". 400 Jahre haben wenig bewirkt.

9 Studium Generale Tübingen - Künstliche Paradiese - Virtuelle Realitäten: Benking, H. Fluchtwelten oder Sinnwelten: Cyberspace als Spielzeug oder Orientierungshilfe? Tübingen, 1994, Attempto

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Juli 2012: Obige Anmerkungen habe ich gerade abgetippt damit wir das mal digital haben. Mit Fußnotenzuordnungen, weiteren Links und Material, Anekdoten, etc. (griechisch ἀνέκδοτον, anékdoton, „nicht herausgegeben“) mag das ein Baustein für den 2014 Foucault Beitrag sein ...... Heiner Benking