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Prinzip Verantwortung

Wege zu einer integralen Umweltwissenschaft
 

Symposium in memoriam Hans Jonas
 

der Evangelischen Akademie Hofgeismar in Zusammenarbeit

mit dem Fachbereich Evangelische Theologie der Philipps-Universität Marburg

04.-06.06.93 im Schlößchen Schönburg, Hofgeismar

Leitziel: 

Interdisziplinäre Umweltwissenschaft


vorgelegt von:     Heiner Benking, Dr. Josef Schwitte

Inhalt / Gliederung:

1 Einführung
2. Das Problem: Der Verstoß der derzeitigen Wissenschaft gegen das "Prinzip Verantwortung
3. Beispielhafte Lösungs-Ansätze und Konzepte
3.1. Encyclopedia of World Problems and Human Potential
3.2. ÖKOLOGIE- Dimensionen
3.3. Ein interdisziplinäres Konzept
3.4 Der Faktor Mensch in der Umweltforschung (Human Dimensions)
Problem Hintergrund
Verantwortung

Die Verantwortung geht in das Zentrum der Ethik 
und zwar mit Raum- und Zeithorizont.
                                                      Hans Jonas

Objekive Erkenntnis
Am Anfang objektiver Erkenntnis 
steht also nicht immer ein Experiment, 
sondern eine Beobachtung und der Entwurf 
eines ganzheitlichen Bildes, 
 in dem alles vorhandene Wissen 
und alle Beobachtungen integriert sind.
                                                          Karl Popper

1 . Einführung

Die Wissenschaft hat in den letzten 20 Jahren Einsichten über die Lebensfähigkeit von Systemen gewonnen. In größeren Systemen stehen Ernten oder Entnahmen und Verfall im Gleichgewicht mit quantitativem Wachstum. Da aber immer auch Teilsysteme wegbrechen, obsolet werden, verschwinden oder altern, muß auch qualitativ Neues nachkommen. Da in nichtlinearen Systemen, also praktisch allen Systemen der menschlichen Welt und Umwelt, fallweise prinzipielle Unvorhersagbarkeit herrscht, kann das Überleben nicht allein auf rationale Analyse mit kausaler Logik von Ursache und Wirkung und resultierender Vorhersage abgestützt werden. Vielmehr muß es vielfältige weitere Konzepte zur Überlebenssicherung geben. Die partielle Unbestimmtheit der weiteren Entwicklung ist aber gerade die Voraussetzung, damit qualitativ Neues entstehen kann, also Überleben möglich ist. Wesentliche Quellen des Neuen sind das Spielen, die Irrationalität (die die Optionsbreite deutlich über das ausweitet, was der Rationalität zugänglich wäre) oder die Intuition. Eine wesentliches Erkennungswerkzeug für das Verhalten in einer rational nur eingeschränkt vorhersehbaren Weit ist auch die Ästhetik, die G. Picht und C.F. von Weizsäcker als Frühwarnsystem für inhärente Gefahren ansehen. Weitergehend zeigt die Wissenschaft gerade, daß die Systemquellen von neuem Verhalten, die "strange attractors", fraktal gestaltet sind, und daß fast jede Kunst fraktal ist. Die Wissenschaft, zutiefst beschränkt und doch bisher in ihrem Potential nur zum, Teil ausgenutzt, entwirft also jetzt ein Weltbild, in dem die sonstigen Fähigkeiten von Mensch und Natur, wie z.B. die "Kreativität von Mensch und Natur" (Gerd Binnig) eine ganz neue, wichtige Rolle spielen, die die Wissenschaft nicht einnehmen kann. Herkömmliche Wissenschaft ist um systematische Erforschung dieser neuen Bereiche, aber auch Berücksichtigung dieser neuen Einsichten bei der menschlichen Lebensgestaltung zu erweitern. Wissenschaft, die dieser neuen Herausforderung nicht gerecht wird, verstößt zutiefst gegen ihre Verantwortungspflicht (1), (2).

(1) Wissenschaftliche, technische und Erziehungsaufgaben der Institutionen, Grossmann W.D., VDI Expertentreffen, Düsseldorf, März 1993
(2) Socio-economic ecological models: predictions and reality, necessities and state of the art: Grossmann, W.D.: Key-note, Isem Konferenz, Kiel 1992
 

2. Das Problem:

Der -Verstoß der derzeitigen Wissenschaft gegen das "Prinzip Verantwortung"

Das Prinzip Verantwortung setzt nicht erst ein bei der Anwendung von Wissenschaft, sondern bereits bei der Gewinnung von Erkenntnissen (Ansatz also nicht erst bei der "angewandten" sondern bereits bei der "reinen" Wissenschaft bzw. der Grundlagenforschung.) Dabei bezieht sich die Verantwortung der Wissenschaft auf Erkenntnis im breitesten Sinn. Hier werden nur zwei Aspekte dargestellt:

Gegen beides, Objektivität und Mehrung, und somit gegen das Prinzip Verantwortung für

Erkenntnis verstößt der derzeitige Wissenschaftsbetrieb, was sich komprimiert und pointiert folgendermaßen darlegen läßt:

verhindert, was insbesondere dann klar wird, wenn man unter Mehrung der Erkenntnisse letztlich nicht das Bedrucken von Papier bei der Erstellung von Publikationen versteht, sondern die Bereicherung in den Köpfen von Menschen (Stichworte: Lernen, Verstehen, Handeln). Trotz des Doppel-Anspruchs "Forschung und Lehre" sind insbesondere die Karriere-Bedingungen zukünftiger Hochschullehrer einseitig ausgerichtet auf die Forschung gemäß dem Prinzip "Publish or Perish", wobei niemand fragt, ob die gewaltigen Mengen bedruckten Papiers auch gelesen und verstanden werden und in die politischen und sonstigen Entscheidungsprozesse einfließen können. Lehre, (Allgemein-)Bildung, Fachdidaktik und publizistische Aufbereitung der wissenschaftlichen Erkenntnisse kommen zu kurz. Dabei hat die Praxis von Umweltschutz und ökologischen Kontroversen zweierlei gezeigt: Fazit: Weil im Rahmen der Karriere-Bedingungen an der Universität auf: Soweit das Problem, der Verstoß gegen das "Prinzip Verantwortung", und nun die Ansätze zu einer integralen Lösung: Dabei gilt das Motto: Nicht mehr, sondern anders forschen, lehren und lernen!

Epipherma:
Müsset in Narturbetrachtung
immer eins wie alles achten,
nichts ist innen nichts ist außen  ......
                                             J. W. Goethe

 


3. Beispielhafte Lösungs-Ansätze und Konzepte für lnterdiszipllnäre Umwelt-Wissenschaft

3.1. Encyclopedia of World Problems and Human Potential

Die Enzyklopedie ist eine faszinierende, auf interdisziplinäre Betrachtung hin konzipierte Zusammenstellung von mehr als 10.000 Weitproblemen und Lösungsvorschlägen. Sie zeigt Ansätze um der Zersplitterung des Wissens durch neue Methoden wie Systemanalyse, Netzwerke, Interdisziplinarität, Multidimensionalität und "globales denken" und "integrative Konzepte" entgegenzuwirken. Auf eine sachliche und kreative Weise werden globale Probleme und das Potential des Menschen dokumentiert und abruf- und nachvollziehbar dokumentiert.

Die Einträge geben auf 2140 Seiten mit 20.958 Stichwörtern und 114.000 Querverweisen eine umfassende Aufstellung alternativer Verständnismodelle, was die Verknüpfung von globalen Problemen, Organisationen, Konzepten und Entwicklungen angeht.

Der 2. Band "Human Potential" gliedert sich in die Bereiche "Human Development", "Integrative Knowledge", Metaphors and Patterns", "Transformative Approaches" and "Human Values and Wisdom". Da menschliche Werte als treibende Kraft hinter jeder Form individueller und kultureller Entwicklung stehen, geht es im Hintergrund jeder Diskussion auch um Werte.

In Kapiteln über bereichsübergreifende politischer Konzepte, die in der inhaltlichen Struktur dem klassischen chinesischen "Buch des Wandels" folgen, geht es um lebenswichtige menschliche Fähigkeiten. Fähigkeiten von einem Zustand in einen anderen überzugehen, um eine natürliche menschliche Entwicklung zu garantieren und die geistige Flexibilität auszubilden, auf eine ständig im Wandel begriffene Umwelt zu reagieren. -Menschliche Werte, konstruktive und destruktive, als treibende Kraft hinter jeder Form von individueller und kultureller J Entwicklung, finden sich in- weiteren 2270 Stichwörtern. - Eine Elektronische Rec~erchemöglichkeit und Versionen in anderen Landessprachen sind geplant / in Vorbereitung.

Mit-Initiiert von Professor Robert Jungk, handelt es sich um eine Pionierleistung der Union of International Associations (UIA) und eine Grundlage für qualitative Erkenntnisse und Hilfestellung für Problembewältigungen.

Die grundlegenden Arbeiten sind seit langem erfolgt (3). Neue Werkzeuge erlauben es heute daran anzuknüpfen (4), (14).
 

3.2. ÖKOLOGIE- Dimensionen

Ein Orientierungs-, Meta-Sprachen- und Meta-Wissens-Ansatz

mit Relevanz für Ausbildung und gesellschaftliche Umsetzung (5):

Vorgestellt werden Oberlegungen und Ansätze, um allgemein verständliche Metasprachen für diverse Disziplinen zu fördern. Es sind Orientierungshilfen, um Bereiche und Probleme einordnen und zuordnen zu können. - Geht man davon aus, daß der Einzelne nicht mehr Universalgelehrter sein kann und das ganzheitliche Denkmodelle in der Krise sind, bedarf es eines Instrumentariums, um Köpfe und Wissen zu vernetzen (6).

(3) Toward a Concept Inventory: Anthony J. N. Judge, COCTA - Committtee on Conceptual and Terminological Analysis, Montreal, August 1973 - International Political Science Association, Union of International Associations, Brussels, May 1973
(4) GeoJournal 26.3, 323-334, (1992) "ACCESS and ASSIMILATION - Pivotal Environmental Inforarrition
Challenges"; s.a. GeoJournal 23.3, 249-255 (1991) 'Harmonization of Environmental Measurement"; s.a. Bridges and a Masterplan for Islands of Data in a Labyrinth of Environmental and Economic Information, ICSU (International Council of Scientific Unions) - CODATA, Beijing, October 1992 (in Vorbereitung).
(5) Enhancing the Credibility of Ecology. Interaction along and across Hierarchical Scales: di Castri, F; Hadley, M.; GeoJournal- Trilogy (1988), 17.1. 3-35,
(6) Wege zum ökologisch-ökonomischen Umbau: Wie kann ein Informationssystem zur Realisierung und Kontrolle des ökonomisch-ökologischen Umbaus in Europa durchgesetzt werden? Expertentreffen der ASZE - Akademie für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, Mai 1993
 

Es geht darum, wieder ein Gefühl für Zusammenhänge zu vermitteln. Imagination und Intuition sind standort- und perspektivabhängig und es gilt realitätsnahe Bezüge herzustellen und Symmetrien und Ähnlichkeiten quasi spielerisch zu erfahren. Denk- und Realitätsstrukturen mit mikro- und makro-perspektivische Kompetenz sind abzugleichen. Dazu bedarf es einer Intuition, die sowohl "schlagartiges Erfassen" eines Gegenstandes im Ganzen, als auch Erkenntnis in Teilschritten und im Detail, als bewußte und unterbewußte Prozesse, beinhaltet - Diese Forderungen nach Überblick und Detailberücksichtigung überfordern nicht nur von der Dimension und Qualität her jedes Individuum. Um zumindest die Verständigung zu verbessern, können Denkhilfen und Strukturen entwickelt werden. Das Verständnis kann wachsen, wenn der Zusammenhang nicht frühzeitig ausgegrenzt wird und frühzeitig universaleres Denken geübt und vorgelebt wird.

Einzelne, Querdenker und Spezialisten müssen sich finden und zumindest grob und flach strukturierte, gemeinsame Begriffswelten nutzen. Neben diesen "Querdenkern" / (T-Persönlichkeiten (7)) bedarf es zusätzlich informationstechnologisch vernetzter Köpfe/Schnittstellen und fehlertoleranter Austausch-Vereinbarungen um durch eine optimale
Ergänzung der Ressourcen gemeinsam weiterzukommen. Also keine weitere Intelligenz, sondern verläßliche Schnittstellenfunktionen! Nur auf solch einer Basis kann ein Austausch und eine Übertragung von Wissen und praktischen Erfahrungen auf breiterer, wenn nicht globaler Ebene, stattfinden.

Als Ordnungs- und Orientierungsrahmen wurden die Strukturen und Hilfsmittel der Encyclopedia for World Problems and Human Potential (8) siehe auch (9) und der "Zauberwürfel der Ökologie - Blackbox Natur" vorgeschlagen - siehe unten Abbildung und Original-Texte.

Der Würfel zeigt in der Draufsicht Bilder aus der Nahbereichsphotographie und der Fernerkundung, in der Seitenansicht eine Bewegtgrafik, deren Motiv aus der Welt der Viren und Zellen, aber auch ein Auge oder "Star Wars" darstellen könnte. Das Exponat ist als Attraktor einer Ausstellung in der Funktion eines Blickfangs; die Durchlicht-Großformatdias sollen auch ästhetisch wirken und es wurde deshalb, nicht nur aus Zeit- oder Kostengründen, mit erhältlichen und ansprechenden Bildern gearbeitet. Die Brücke zur Ästhetik erschien den Kompromiß wert.
 

(7) T- Persönlichkeiten: Konzept nach Professor Dr. Hans-Peter Dürr: Der Buchstabe "T" besteht aus einem senkrechten Strich, der das in die tiefe gehende Spezialwissen symbolisiert und einem waagrechten Strich, der die Breite des Allgemein-Wissens darstellt. Eine T-Persönlichkeit verfügt über beide Wissens-Arten und setzt ihr Spezialwissen auch in anderen Bereichen ein.
NOTIZ: ***************
(8) Encyclopedia of World Problems and Human Potential, 3. Auflage (1993), K.G. Sauer Verlag, München, London, New York, Paris
(9) Ende und Anfang - Perspektiven zur Jahrtausendwende, Zukunftswerstatt zur "Okostadt Graz", siehe hier Veranstaltung "Hilfsmittel und Werkzeuge" Akademie Graz, Graz September 1993

  1. Exponat der "GLOBAL CHANGE" Ausstellung im Bundeskanzleramt, Bonn, Mai 1990 .


Blackbox Natur - Zauberwürfel der Ökologie

Ökologische Fragen weiden durch spielerische Kombinationen von photographisch gestalteten Themen verdeutlicht
 
 

Status:
Stellt sich der Mensch den Herausforderungen durch die Natur, so ist er gezwungen sich mit unbekannten Zusammenhängen und Vielfältigkeiten auseinanderzusetzen. Naturelemente oder Fachdisziplinen, Größenordnung und Veränderungsraten sind die Achsen des Würfels dessen Flächen und Inhalte spielerisch durch die Informationsverarbeitung kombiniert werden können. Veränderungen der Materie in Raum und Zeit lassen sich so durch beliebige Schnitte durch den Würfel besser darstellen und erkennen Ziel ist die Verbesserung der Glaubhaftigkeit der Multidisziplin Ökologie.

Einzelne Bilder sind flach die Tiefgründigkeit räumlicher Struktur das Umfeld oder gar Bezüge sind so nicht zu vermitteln Auch ist die Qualität und Verlässlichkeit der Information abhängig von den gewählten Verfahren Medien und Blickwinkeln Augenmaß nimmt nur durch Erfahrung zu, Vergleichbarkeit ist nur anhand eines Maßstabs erreichbar.

Eine Perspektive:
Neue Verarbeitungs-, Visualisierungs- und Dokumentationsverfahren erlauben einen erweiterten auch synthetischen Durchblick oder Abriss von Ursachen- und Wirkungsgefügen. Dies geschieht durch Stützung und Verbesserung des Vor-stellungs- und Erkennungsvermögens des "Augenmenschen", der "Einblicke" sucht, um "Ausblicke" entwickeln und bewerten zu können. Moderne Verfahren erhöhen die Datenflut, erlauben aber auch eine gezielte und teilweise automatisierbare Erhebung,
Bearbeitung und Dokumentation. Es bleibt eine Fülle von nur durch Augenschein erkennbaren Zusammenhängen, die kontrollierbare Maßnahmen oder bewusste Zurückhaltung angeraten sein lassen.
Hyper-Bilder, die durch die Dimensionstunabhängigkeit und einen besseren Austausch über Begriffe, Methoden und Systeme hinweg entstehen erlauben ein Auswählen und somit neue Kenntnisse. Affe Möglichkeiten sollten wahrgenommen werden, auf einer breiteren Informationsgrundlage und durch besseren Austausch gesicherter und nachvollziehbar zu deuten, abzuwägen und zu handeln.

Die Realisation des Würfels wurde durch Ideelle oder materielle Unterstützung folgender Unternehmen und Institutionen ermöglicht: AGFA Leverkusen; CO-ART Kunst durch Kreativität, Hamburg; Redaktion GEO-Wissen, Hamburg: Labor Grieger Düsseldorf UNEP, HEM, München; CARL ZEISS, Oberkochen. Für weiteres Bildmaterial sei Mario KessIer Schondorf, der DLR, Köln/Oberpfaffenhofen. ESRI, Kranzberg; GEO-SYSTEMS. Germering; JRC lspra; TOPOGRAMM, Weilheim; UNIRAS, Düsseldorf, VTE, Herrsching sowie den Fotografen Dr. Jörg Janzen und Dr. Alfred Schinz; Georg Genier G + J Syndikation; Manfred Kage, Bruno uno, Heu Mario Markus S. C Müller, Th. Plessner MPI für Ernährungsphysiologie, Dortmund; Wolfgang Volz, Bilderberg herzlich gedankt. Quellen und Freigabehinweise einzelner Großdias dieser Collage gerne auf Anfrage. Im GEO-Wissen vom Mal 1990 Sonderheft Nr. 2, Chaos + Kreativität" sich weitere sehr gute Illustrationen zum Thema. - Idee und Realisation des Würfels: Heiner Benking

Würfelachsen
Ein Besuch der Wanderausstellung erscheint empfehlenswert. Da es aber nicht sicher ist, ob der Würfel nach Hofgeismar mitgebracht werden kann, soll eine kurze Beschreibung inkl. der Feldbezeichnungen hier erfolgen: Als Disziplinen in der Grundachse - Breite - finden wir Wissenschaften also Fächer als Disziplinen, Natur-, Lebens-, Kultur-, Gesellschafts-, Wirtschaftswissenschaften, etc. soweit sie naturräumliche Phänomene auslösen oder beschreiben. Dies ist die schwierigste, weil nicht quantifizierbare Achse. (Der Trick hier zu codieren und zu klassifizieren und Informationssysteme sprachübergreifend Verbindungen herstellen zu lassen, ist der Kern der systemtechnischen Unterstützung). Die - TIEFE - des Würfels, vom Mikro- zum Makrokosmos, symbolisiert die unterschiedlichen~ räumlichen Größenordnungen, also von der Zelle bis zum Planeten; hier aber besser als Ebenen üblicher Kartenmaßstäbe vorzustellen. Zur Hierarchisierung solcher Objektstrukturen und deren Wirkung auf, und Durchlässigkeit zu, anderen Ebenen siehe auch "Harmonisierung" und Access and Assimilation" (4). Die - HÖHE - ist die Zeitachse des Wüfe1s (Vergangenheit-Zukunft), wobei das Jahr 0 unserer Zeitrechnung vielleicht in der Mitte anzunehmen wäre.
Diese Untergliederungen und das ganze Modell ist natürlich bewußt sehr grob (Überblickswisssen), kann aber beliebig verfeinert werden. Vorteilhaft ist die Möglichkeit informationstechnisch Begriffs- und Sprachweiten aufeinander wiederholbar abzubilden und verschiedene Zugangsarten zu entwickeln!, Das Problem lag in der Tiefe und im Wettstreit der Begriffswelten und Fürsprecher, keinesfalls in der Fähigkeit der Computersoftware zu vermitteln und auch nicht-lineare Bezüge herzustellen. Wie weit fortgeschritten und zusammenhängend schon gearbeitet wurde zeigt die Enzyklopädie im Kapitel 3.1 und deren Konzepte (3).
Obige Hilfsmittel dienen der Orientierung, Recherche und einem vereinfachten Sichtweisen- und Standpunktwechsel. Da die Informationstechnologie nur Wissensbasen und Arbeits-/Denkhilfen bereitstellen kann, ist es die einzuübende Aufgabe des Einzelnen all dies zu einem Bild zusammenzufügen. - Anhand des Würfels sollen die Möglichkeiten und Chancen spielerischer und wissenschaftlicher Behandlung ökologischer Themen beleuchtet werden. Wie mikro- und makroperspektivisch Intuition und Binnen-Perspektiven der Wissenschaft gefördert und gepflegt werden können sind zentrale Fragen.
Ein besonderes Anliegen war auch für Professor Robert Jungk die Ausbildung und Schule (9); der Entwurf einer allgemeinverständlichen Orientierung, einem vielleicht sogar dynamischen, ganzheitlichen Weltbild, in das man sich hineinversetzen und teilhaben kann. Zusätzlich zur notwendigen späteren Spezialisierung sollte deshalb das Sehen und Erfahren eines Gesamtzusammenhanges, der Größenordnungen, der Bezüge etc. nicht verschüttet, sondern so früh wie möglich trainiert werden. Laufende Projekte und Erfahrungen werden besprochen.

3.3. Ein interdisziplinäres Konzept
"ÖKOLOGIE - UMWELTSCHUTZ - ÜBERLEBENSKRISE" (11) ist ein interdisziplinäres, curriculumähnliches Konzept, das in den 70er Jahren aus der unmittelbaren Anschauung ökologischer Kontroversen heraus entwickelt, in der Praxis erprobt und angewandt wurde. Es dient zur Aus- und Fortbildung und enthält einen Satz von genau definierten Haupt-Schwerpunkten und Unterpunkten, die miteinander vernetzt sind (Motto: Wenn die Realität vernetzt ist, dann muß ein Bildungs-Konzept diesen Venetzungs-Charakter widerspiegeln). Zum Konzept gehören folgende Elemente: Inhaltliche Grob- und Fein-Gliederung, eine graphische Darstellung des Vernetzungs-Musters, Lernziele, Medien , insbesondere eine Serie von ca. 500 Dias mit komprimierten Informationen (Tabellen, Diagramme, Bilder), schriftliche Unterlagen als Hilfsmittel für die Teilnehmer. Die Sozial- und Aktionsformen waren, je nach Interesse der Teilnehmer: Gespräche, Diskussionen, Exkursionen mit Ortsbesichtigungen, (Wochenend-)Seminare, Vorträge, Vortrags Reihen sowie Lehrveranstaltungen in Hochschulen und Universitäten. Konkret eingesetzt wurde dieses Konzept in folgenden Bereichen: Bürgerinitiativen und Umweltschutzgruppen, Träger der Jugend- und Erwachsenenbildung (Volkshochschulen, Landeszentrale für Politische Bildung), Lehreraus- und -fortbildung, Arbeitsgemeinschaften an der Schule und insbesondere fünf Jahre lang Vorlesungen und wissenschaftlichen lntensivkurse an der Universität Düsseldorf. In Ergänzung siehe auch (12) zur "Umweltbezogenen Wissenschafts- und Forschungs-Koordinierung".

3.4 Der Faktor Mensch in der Umweltforschung (HUMAN DIMENSIONS)

Speziell auf globaler Ebene wird der Mensch vermehrt in Konzepte und Forschungsprogramme aufgenommen13,14. In diesem Rahmen ist Interdisziplinarität gefordert und Projekte können angegangen werden. Die Einbeziehung menschlicher Dimensionen und Belange findet also wieder vermehrt in die Weit der Wissenschaft Eingang und man wird sehen wie die Abklärungsprozesse ausgestaltet werden!

Man wird weiterhin nach "globalen Perspektiven" immer mehr das Detail, das Projekt vor Ort und die Entscheidung/Aktion des Einzelnen mit einbeziehen müssen um zu gesicherten Annahmen und Modellen zu kommen. Das Problem bleibt der "Überblick im Detail" (5), der Ordnungsrahmen (4),(16) und der Gestaltungswille (9),(10).

Fazit: Ökologische Interdisziplinärität ist möglich, man muß sie nur wollen!

11 ÖKOLOGIE - UMWELTSCHUTZ - ÜBERLEBENSKRISE / Ein interdisziplinäres Konzept für einführende Grundlagenvorträge, fachliche Fortbildungsveranstaltungen, wissenschaftliche Intensivkurse", Josef Schwitte, Hamburg, 1991.
12 Umweltbezogene Wissenschafts- und Forschungs-Koordinierung - Eln Konzept-Entwurf-Schwitte, J.: Hamburg 1992
13 HDGC- Human Dimensions of Global Change. IFIAS, UNESCO, UNU, ISSC initiative, Tokyo 1988
14 A Framework for Research on the Human Dimensions of Global Environmental Change. Jacobsen H.K., Price, W.F.; ISSC/UNESCO (1990)
15 "Local and Global Change* - Forschungs- und Koordinationsaufgaben Internationaler Organisationen, Köln, Geotechnica 1991
16 (Proposal for) HEMIS- Design and Development Status Report: Benking, R, Kampffrneyer, U.B.: UN-Environment Programme (UNEP)- Harmonization of Environmental Measurement (HEM)- office, c/o GSF, Neuherberg & ProjectConsult, Hamburg, July 1992
 
The Intelligent Eye 

Which came first, the eye or the brain? What use is an eye without a brain capable of using visible information? 
But why should a visual brain develop before there where eyes 
to feed it with visual information? 

 R.L. Gregory 






Man muß die Dinge einfach machen,
aber nicht einfacher!

Albert Einstein
Analyse und Synthese

Ein Jahrhundert, das sich bloß auf die Analyse verlegt 
und sich vor der Synthese gleichsam fürchtet, ist nicht auf dem rechten Wege; 
denn nur beide zusammen, wie ein- und ausatmen 
machen das Leben der Wissenschaft.

  J.W. Goethe

(T- Persönlichkeit)
Wer ein bißchen weiß, ist ein Dilletant; 
wer nur von einem bißchen alles 
weiß, ist ein Fachidiot.
Ein Generalist aber ist,
wer viel von einem bißchen
und einiges vom Ganzen weiß,
worin das bißchen seinen Platz hat.
                                                 Günter Ropohl



Problem-Hintergrund

Hintergrund ist ein weitverbreitetes Konglomerat aus Dissens und Orientierungslosigkeit, was sich insbesondere in ökologischen Kontroversen zeigte und zeigt:



Symposium - Einführungstext der Veranstalter:
"Der endgültig entfesselte Prometheus, dem die Wissenschaft nie gekannte Kräfte und die Wirtschaft den rastlosen Antrieb gibt, ruft nach einer Ethik, die durch freiwillige Zügel seine Macht davor zurückhält, dem Menschen zum Unheil zu werden. ... Keine überlieferte Ethik belehrt uns ... über die Normen von "Gut" und "Böse", denen die ganz neuen Modalitäten der Macht und ihrer möglichen Schöpfungen zu unterstellen sind. Das Neuland kollektiver Praxis, das wir mit der Hochtechnologie betreten haben, ist für die ethische Theorie noch ein Niemandsland."

So umschreibt der Philosoph Hans Jonas, der Ende Januar 1993, kurz vor Vollendung seines 90. Lebensjahres in New Rochelle, New York, verstarb, im Vorwort zu seinem 1979 erschienenen Buch "Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation" das zentrale Problem unserer Zeit: Maßstäbe für ein zukunftsfähiges Zusammenleben der Menschen zu finden.

Hans Jonas entwickelt dabei eine (als Gegenstück zu dem von Bloch formuliertem Prinzip*Hoffnung die nichtutopische) Ethik der Verantwortung.

Im Rahmen dieses noch zu Lebzeiten von Hans Jonas mit ihm geplanten Symposions wollen wir dieser Ethik der Verantwortung nachgehen, nach den Grundlagen von verantwortlichem Leben, Arbeiten und Forschen auch im Sinne einer umfassenden Umweltwissenschaft fragen und überlegen, inwieweit sich Hans Jonas' jüdischer Glaube auf christliche Religiosität an diesem Punkt auswirkt und insbesondere Christen auf der Suche nach verantwortetem Leben den Weg weisen kann.

Die Tagung will dabei u. a. auch mit dem Leben und Wirken Hans Jonas' in Amerika bekannt machen und beleuchten, welche Auswirkungen die Gedanken dort im Hinblick auf Technologie und Ökologie haben.