Anläßlich des 80. Geburtstages von Prof Richter und der Jahrestagung der IPPNW  - KULTUR DES FRIEDENS -  in Berlin -
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1. Mai 2003
Mein Beitrag:
Den Horizont des Mitgefühls erweitern &
Das Maß des Leidens in der Welt reduzieren
 
Verehrter Professor Horst-Eberhard Richter
wie vorgestern, am Vorabend zu Ihrem 80. Geburtstag in der Urania versprochen hatten Sie mich gebeten meine Frage bei den Diskussion bei der Veranstaltung “Kultur des Friedens” wieder einzubringen. Ich hatte ihnen geschildert, daß mich beide Themen in besonderer Weise und gerade Ihre wechselseitiger Bezug sehr beschäftigen.

 

Den Horizont des Mitgefühls erweitern

Wir stehen sicher alle hinter dem Ziel und der Aufgabe, die Sie nach Richard Rorty zitierten, nämlich den Horizont des Mitgefühls erweitern. Doch wie soll das geschehen, wenn wir Positionen und Ebenen, Proportionen und Konsequenzen in diesen postmodernen Zeiten durcheinanderwerfen?

Mein Beitrag ist der Vorschlag eines Denkrahmens oder Denkgerüstes, den ich eine kognitive Landschaft oder ein Kognitives Panorama genannt habe, das Größenordnungen, Themenbereiche, und Zeithorizonte als räumliches Koordinatensystem in Bezug setzt. Durch die Verkörperung und Darstellung anderer Ebenen und Horizonte können andere Bereiche gemeinsam und konkret gesehen, erkundet, auch erfahren werden - also auch in einem größeren Rahmen mittelbar mitgefühlt werden. Versch. Literatur seit 1988. Ich empfehle: http://benking.de/Global-Change/, “Ohne Zusammenhang kein Zusammenhalt” http://benking.de/verweigerung.html und den Beitrag: “Skizzen für Weltbilder und Welthäuser” im Band “Die Natur” das im nächsten Monat im Passagen Verlag erscheint. http://benking.de/skizzen-2003.htm
 
Das Maß des Leidens in der Welt reduzieren
Obige Ordnungsstruktur kann helfen, daß Maß, oder die Summe des Leidens ein wenig besser erfassen zu können. Ich spreche in beiden Fällen von Überblick im Groben, undsomit auch Größenordnungen des Leidens, nicht individuelle Erfahrung und den Vergleich zwischen einzelnen Personen.
Aufbauend auf der fernöstlichen- buddhistischen Lehre, daß es die Aufgabe eines Individuums ist, Leiden zu reduzieren, wurden zu erziehende künftige Herrscher, ob nun zukünftige Kaiser oder Maharadschas angewiesen, das Dukkha - Maß des Leidens, und nicht das Sukkha - Maß der Freude (weil dies noch weniger greifbar und vergleichbar ist) in ihre Handlungsalternativen einzubeziehen. Also Alternativen nicht nur danach zu beurteilen wieviel Kosten entstehen, sondern zusätzlich nach dem Menge des Leides, kurzes und langfristiges, schweres und leichtes Leiden. Das Ergebnis sind Szenarien, die Entscheider sich und anderen vorzulegen haben, die zeigen wieviel Leidenspotential hinter alternativen Entscheidungen stehen. Ralph G.H. Siu hat eine Dukkha Skala (Einheiten für Leiden) entwickelt, diese wird in der Panetics Gesellschaft (http://www.panetics.org) gepflegt und weiterentwickelt. Ralph Siu hat mir ans Herz gelegt, in Zusammenarbeit mit Johan Galtung, mich um diese Regierungskunst, oder “Good Governance” zu kümmern. Johan Galtung hat aufgrund meiner Frage auf dem letzten Bahro Kongreß: “Die Sozialökologische Alternative” an der Humboldt Universität noch einmal seine Wertschätzung der Arbeiten von Siu und der Panetic Gesellschaft ausgedrückt. Details gerne auf Anfrage.
Die Thematik: Regierungskunst - good governance - Situations-Räume für Analyse und Strategie Einheiten ist ein besonderes Arbeitsfeld, das auch auf meiner Homepage http://benking.de unter dem Thema “Governance” vertieft wird. Zum Beispiel in Thesen zur Regierbarkeit von 1995 in Zusammenarbeit mit Yehezkel Dror (Club of Rome) oder im Zusammenhang mit Rundgesprächen und neuen Formen der Partizipation/Demokratie.
 
Zusammenfassung und Ziel
Mein Ziel dieser kurzen Notiz ist es zu zeigen, daß die Aufgabe, den Rahmen des Mitgefühls zu erweitern und die Auswirkungen von erzeugtem Leid frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden, zu konkretisieren sind. Beide Herausforderungen, Erweiterung des Mitgefühls und Reduzierung des Leides sollten sich ergänzen und verstärken. Auf der einen Seite steht die Ebene des Individuums (BOTTOM UP), das einen weiteren Radius seiner Verantwortung und Anteilnahme einbezieht, und auf der anderen Seite die Ebene die Entscheider (TOP DOWN), die beachten müssen was sie direkt und indirekt verursachen.Die Einhaltung von Regeln oder Geboten (Ethiken) auf der persönlichen Seite muß verstärkt und ergänzt werden durch die Existenz von akzeptablen Rahmenbedingungen auf der politisch-gesellschaftlichen Seite. Zum 90. Geburtstag von Hans Jonas haben wir uns einer Ethik mit Raum- und Zeithrizont besonders angenommen. http://benking.de/jonas-1993.html