siehe auch: ABSCHLUSS PODIUMS_DISKUSSION zum Studium Generale 1994: VIRTUELLE REALITAT IN DER ÖFFENTLICHKEIT: CHANCEN _ RISIKEN Siehe auch

Künstliche Paradiese - Virtuelle Realitäten

Künstliche Räume in Literatur-, Sozial- und Naturwissenschaften

Herausgegeben von Holger Krapp und Thomas Wägenbaur im Wilhelm Fink Verlag

Fluchtwelten oder Sinnwelten -

Cyberspace als Spielzeug und Orientierungshilfe?

Heiner Benking


Virtuelle Realitäten? Welche Realitäten meinen wir, wenn abstrakte V»Realitäten« immer größeren Anteil an unserer Wirklichkeit einnehmen? Eine abstrakte Realität ist z. B. das Konzept des Raumes. Jeder kann inzwischen damit umgehen, nimmt ihn als real wahr, aber das war z. B. im Altertum nicht so, daß sich das Raumbewußtsein' selber innerhalb der verschiedenen Kulturepoch ' en, die wir bisher überblicken, änderte.

Der Raum besaß damals als Konzept keine - in unserem Sinne - dreidimensionale wahrnehmbare Qualität. Genau dies ist die Schnittstelle, wo der Wandel geistiger Entwicklung im Bewußtwerden mit abstrakten Konzepten und Realitäten von heute stattfindet, bis diese allgemein akzeptiert und damit als »real« anerkannt werden. Abstrakte Realitäten werden gegenwärtig immer überlebenswichtiger, je mehr sich der Mensch aus seiner direkten sinnlichen und dinglichen Umgebung in neue theoretische, raumund zeitübergreifende Konzeptwelten begibt. »Globale Nachbarschaft« z. B. als ökosoziales Modell und Begriffswelt und andere Metaphern zeigen, wie sich der Mensch immer weiter auf Konzepte und nicht mehr auf direkt Erlebbares einstellen muß und wie er nach Metaphern als Ableitung von Erfahrungswissen aus physischen Objektwelten in abstrakte Konzeptwelten sucht.

Die Diskussion um Virtuelle Realität führt zu der immer perfekter werdenden Nachbildung physischer Objekte, indem der Computer Bilder erzeugen kann, die räumlich-sinnlich erfahrbar, jedoch nicht »greifbar« sind, es aber dafür dem Menschen durch die Simulation einer potentiellen Ausformung ermöglichen, Objekte und Projekte zu »erleben« oder zu entwickeln, bevor sie gebaut werden. Durch die technischen Möglichkeiten kommen wir zu einer immer größeren Annäherung von Fiktivem und Realem. Schon zwanzig Jahre vor dem Virtual-Horror-Pionier, William Ford Gibsons Neuromancer, haben sich Science-Fiction-Schriftsteller wie Stanislaw Lern und Philip K. Dick gefragt, ob die elendeste Wirklichkeit nicht besser sei als die interessanteste Vorstellung oder Planung, die bei Nichtrealisierung zur Fiktion, Illusion oder zur bloßen Möglichkeit abgleitet oder verkommt. Fiktion und Illusion haben einen entscheidenden Nachteil: Sie sind nicht greifbar, wenn man sie realiter braucht, und sie hinterlassen einen schalen Geschmack oder verursachen Orientierungsprobleme.

Natürlich übt ein neues Denk-Werkzeug wie Virtuelle Realität eine umfassende und die menschlichen Vorstellungswelten bereichernde Faszination aus, indem in der wirklichkeitsgetreuen Simulation von realen Welten experimentelle, auch wissenschaftlich-mathematische und physikalische Überprüfungen realer Situationen möglich werden und wirklichkeitsnahe Folgenabschätzungen menschlichen Handelns wie beispielsweise Eingriffe in den Naturhaushalt überprüft werden können. Auf diese Weise können auch Variablen von Handlungsweisen oder alternative Strategien auf Kosten, Voroder Nachteile überprüft und Fehlentwicklungen vermieden werden.

Von einem anderen Gesichtspunkt aus betrachtet führen dieselben Methoden oft auch zu »Entmaterialisierungen« von Realität in den Vorstellungs- oder Bewußtseinswelten und ändern damit die Wahrnehmung als fundamentales Instrument menschlicher Erkenntnis selbst.

Als mächtiges Mittel ist Virtuelle Realität ideal für eine »Demagogie«, indem sie auch etwas vorgaukeln kann, was nicht reell existiert. Dies kann in der Folge zu Fehlhaltungen, Fehleinschätzungen, Fehlinformationen bis hin zu Lügen und Täuschungen führen und kann infolgedessen zu falschem Verhalten, einseitigen politischen Entscheidungen oder bewußtem, politischen Mißbrauch genutzt werden, umgekehrt kann es aber auch im positiven Sinne, wie beim aktivem »Träumen« zu psychologischen Ventilen oder zu Geist, Seele und Körper dienlichen kompensatorischen Einstellungen und Handlungen führen. Viel mächtiger als die Computergraphik können virtuelle Realitäten menschliche Einstellungen prägen, Entscheidungen beeinflussen und im Zweifelsfalle sogar »künstliche Paradiese« oder »Fluchtwelten« schaffen in einer immer unerträglicher und künstlicher werdenden Wirklichkeit - mit derselben Macht oder sogar noch wirksamer als bisherige Medien wie: Buch, Zeitung, Video, Film. Virtuelle Realitäten sollten nicht nur in erster Linie bilden, sondern durchaus die Chance wahrnehmen, als Kulturgüter Kultur zu entwickeln oder auch im negativen Sinn Kaufverhalten stimulieren und Werbeträger werden, weil diese Ablenkung von lebenswichtigen Aufgaben kunstvoll und damit sehr attraktiv ist.

Nur, wollen wir all das? Der Gebrauch all dieser Instrumente ohne ethische Verantwortung kann zur allergrößten Gefahr werden. Umgekehrt könnte jedes mächtige Denk-Werkzeug zur Realisierung des Guten und ethisch Notwendigen unter der Voraussetzung folgender Fragestellungen eingesetzt werden: Was könnte man verbessern? Oder sollten wir die Welt stattdessen neu erfinden (was heute als »re-engineering« bezeichnet wird)? Oder wäre es etwa lohnenswert, die Welt so, wie sie ist, nachzubauen, mit all ihren Verzahnungen und Vernetzungen? Dabei wäre es kurzsichtig, über die Fassade nicht hinauszukommen, wobei Schönheit und Harmonie - das »touch and feel« - Gefahr läuft verloren zu gehen.

Oder sollte man die Denk-Werkzeuge zur Förderung der Phantasie im schöpferischen Sinne für Gestaltungen, zur Lösung komplizierter Lebensprobleme und Notlagen oder für Erfindungen, also zur aktiven Zukunftsgestaltung, einsetzen und sie somit zu einem sinnvollen Instrument positiver und evolutionärer Strategien machen? Bei der Entwicklung für eine »Phantomatik«, wie es StanisIaw Lern in seiner »Summa technologiae« darlegt, können psychologische und kreative Welten in einem mehrschichtigen Sinne der Bewußtseinserforschung und Gestaltung erschlossen werden mit einer Fülle von nachfolgenden realen Anwendungsbereichen, sowohl im positiven wie im negativen Sinn.

Es darf nicht um billige Illusionen oder schwache Abbilder der dinglichen Welt gehen, sondern um die Darstellung abstrakter Realitäten, die ein positives Lebensfundament oder wenigstens ordnende und lebensdienliche Strukturen herauskristallieren. So entstehen »Sinnwelten«, die in einem Bezugsrahmen positiven und sinngebenden Erschaffens zur dinglichen Welt stehen. Vor allem geht es um Zusammenhänge und Beziehungen zwischen abstrakten Objekten und Räumen, die, wenn vorgestellt und sinnlich erlebbar dargestellt, vor allem einfacher, überschaubarer und im richtigen Kontext erfahrbar, überhaupt erst beschreibbar, mitteilbar und damit prinzipiell verstellbarer und für sinnvolle Anwendungen erschließbarer werden.

Als Beispiel für eine derart abstrakte Welt - und nicht wie z. B. das »Phantasien« der Unendlichen Geschichte von Michael Ende als einer reinen Zauber- und Phantasiewelt, wenn auch mit einem symbolischen Bezug zur Realitätsentwicklung auf Erden, die zwar als eine Gegenwelt in Bezug zur Realwelt treten kann und somit Hintergründe beleuchten, Proportionen, Konsequenzen und Zusammenhänge subtiler psychologischer Zusammenhänge zu verdeutlichen oder mythisches Wissen herauszustellen vermag - geht es uns im wesentlichen darum, eine » W i s s e n s w e 1 t « mit internationaler Wissensorganisation in den Mittelpunkt von Erkenntnis und Betrachtung zu stellen. Wir untersuchen den Bauplan der physischen Welt, wählen dabei als Basis das Konzept der »eingefalteten Ordnung« [David Bohm] und nutzen das Modell des »Hologramms« als Ausdruck holistischer Betrachtungsweise, aber auch, um uns »Topologien«, »sinngebende Kunstwelten«, Morphogenese und Transformation oder evolutionäre Hypothesen und Konzepte vorzustellen. Die Natur selbst liefert uns lebendige Bezugssysteme: so besteht die Wissenswelt z. B. aus einem Panorama, einer fortlaufenden Wissenslandschaft mit sich ergänzenden Wissensgebieten, wachsenden Wissenschaftsbereichen, kultivierten oder naturbelassenen Wissensobjekten- oder Wissensfeldern, sicher aber auch: Wissenslücken, Wissensabgründen ohne Brücken, Wegen und Stegen in eine sinnvolle oder zukünftige Welt. So gilt es ohne Zweifel auch, Brüche oder Gefährdungen herauszustellen. Auch diese Wissenslandschaften sind aus Notwendigkeiten entsprungen. Es fehlte ein Modell als Eingaberaum oder als dreidimensionale Schnittstelle (Interface) für die Daten- und Informationssammlung und ein Bezugssystem, um bibliographisches Wissen, das in Wahrheit in den unzähligen Bibliotheken verstaubt, in einen raum-zeitlichen Bezug zu setzen.

Die Wissenslandschaften vermitteln daher mehr »Überblick«, jedoch auch tieferen »Durchblick«. Es geht darum, zu einer integrierten Zusammenschau der heute isolierten Wissensgebiete zu kommen, andererseits soll die Freiheit zur Imagination möglich bleiben, jedoch nicht in jenem oben beschriebenen r e i n phantastischen Bezug, sondern in jenem ganzheitlich kreativ-realistischen Rahmen, der Sinngebung im Seinsbezug, der die Exploration der ontologischen Qualitäten evolutionärer, lebensdienlicher Konzepte ermöglicht. Ein »Querdenken«, die »a-perspektivistische Weltsicht« [Jean Gebser] wird hier angestrebt: Phantasie und Imagination mit der Möglichkeit, »sich ein Bild zu machen«, daß »ansteckend«, interessant, übertragbar und sinnvoll wirkt.

Eine solche Wissensexploration wird selbst zu einem »künstlichen Raum«, zu einer »Kopflandschaft«, und in Bezug zur realen Landschaft entsteht insofern ein zweiter Referenzraum, der den »Überblick«, d. h. die Herstellung von Beziehungsgefügen erfahrbar macht: Ordnungsstrukturen mit Schwerpunkten, deren topographische Ausformungen, morphische Modulation und Resonanzen. Dies führt zu einer zweifachen Sichtweise, die sich teilweise parallel überlagert, andererseits aber eine komplementäre Ergänzung des »physischen Auges« durch das »geistige Auge« ermöglicht. Stanislaw Lern nannte dies das »Gegenauge«, das es ermöglicht, wie in einem Dialog »Themenlandschaften« und »Problemlandschaften« zu erkunden.

So erhofft man einem Hauptproblem unseres Informationszeitalters durch »Überinformation« und zu rasche Information, jener »sprichwörtlichen Wissensüberflutung« zu entgehen. Andererseits soll auch dem Sektierertum der Fach- und Sachgebiete, mit jeweils eigenem Raum und eigener Begriffswelt, der Überspezialisierung mit aufgeteilter Kompetenz und damit einem Verantwortungsentzug, ebenso wie der Unternutzung und dem Mißbrauch vorhandener Daten positiv begegnet werden. Zurück zur »eingefalteten Ordnung lebendigen Seins«, dem die Anordnung der Wissenswelten folgen sollte, bis hin zur Transparenz des Seins mit der Konstitution des Räumlichen im Erkenntnisakt, bis hin zu Mikroskop und Teleskop mit »erweitertem Auge« und mehr Tiefenschärfe und gleichzeitig erschließbaren Welten, die dem Menschen ein »Zusammensichten« und Überblicken erlaubt: Eintauchen, Beleuchten, Vergrößern.'

Ein einfaches Beispiel für die Verortung komplexen Beziehungsgefüge finden wir in der Lehre der Ökologie als kombinierter Haushalts-, Wirtschafts- und Harmonisierungslehre von Relationen. Wahrlich eine Multidisziplin, die ein Arbeiten in Kreisläufen, Vernetzungen, Transformationen, Energieumwandlungen, Vor- und Rückläufen (Biofeedback) in allen Richtungen (längs und quer) zu den abstrakten Referenzachsen komplexen Darstellung und dabei in einem ersten Schritt nach einer einfachen Definition des Wirkraums in Ergänzung des Naturraums verlangt. Die nachfolgende Definition einer solch abstrakten Landschaft wurde übernommen von Autoren, die übrigens die Metapher von Mikroskop und Teleskop benutzten und die Informationsverarbeitung, nicht die Wissensordnung, als Grundstein für den nächsten Erkenntnisschritt ansahen.'

Das Bezugssystem zur Darstellung mithilfe imaginärer Achsen und abstrakter Koordinaten folgen dem Prinzip: Auf der Basis derartiger multipler Bezugssysteme, über Größenordnungsebenen als einem Bezug zur physischen Welt lassen sich Themen sowie Phänomene konfigurieren und in komplexe Beziehungen setzen. Die Achsbezeichnungen müssen mit den Fachsprachen variieren, aber man kann abstrakt immer von Achsen für den Ortsraum, den Zeitraum und den Merkmalsraum sprechen. Der schon oben angesprochene erweiterte Bezugsrahmen dient ebenso als abstrakter Raum zur eindeutigen Festlegung von Themen, Problemen, Ressourcen, Projekten und kann ein Diskursabriß oder für die Ausbildung ein Vehikel zur Erklärung interdisziplinärer Ansätze sein.

Bei diesem hier vorgestellten Ansatz geht es primär um die Stärkung der Phantasie: der Vorstellungskräfte im Rahmen eines wissenschaftlichen Ansatzes. Die Visualisierung und Darstellung in einem räumlich durchgängigen und jederzeit vertiefbaren/verschachtelbaren Modell, ist für den »Augenmenschen«, der auch im Gehirn auf eine Orientierungskarte und ein räumliches Grundmodell für alle Sinne zurückgreift, ein natürlicher Ansatz. Die Visualisierung als Leitorientierung zu nutzen, macht auf der einen Ebene einfach »Sinn«, und auf einer anderen Parallelebene kann sie psychologische und transzendentate Sinngefüge aus einer tieferen und meist verborgenen nicht visualisierbaren Quelle vorbewußter oder überbewußter psychologischer und transzendentaler Beziehungen »visualisieren«: in die Anschauung rücken, wie sich in der Wahrnehmungsforschung und auch in den vielen objekt- und kontext-bezogenen räumlichen Metaphern zeigt.

Die Zusammenstellung als Erhellung, Beleuchtung und Sichtung von Einzelaussagen, aber auch als Durchleuchtung im Sinne von Foucault (s. a. Anm. 1): sie setzt die Einzelaussagen in ein gemeinsames Bezugsfeld, faßt hineinkomponiertes in ein einheitliches Bild, in dem das Wissen in die Komplexität des zu Beobachtenden integriert wird, was Karl R. Popper als Voraussetzung für eine übergreifende Erkenntnis und damit »objektivierbares Wissen« gefordert hat. Es bleibt die Frage, inwiefern wir die Möglichkeiten von Virtueller Realität oder Cyberspace nutzen, um eine alternative Kunstwelt zu erschaffen, eine Welt mit Wissensobjekten, die, in einen bestimmten Zusammenhang gestellt, Antworten geben und neue Fragen aufkommen lassen, die sachliche Nachbarschaften, Ähnlichkeiten und Veränderungen deutlich machen und neue mentale Modelle erzeugen und damit wiederum Neugier, Suche und Imagination fördern.

Dies wird dann geschehen, wenn wir virtuelle Realitäten und Cyberspace als mehr als nur als neue »Spielwelten« betrachten, Spiel hier nicht nur verstanden als Zufall im äußerlichen Sinne, sondern auch als Konfiguration höherer Ordnung, als das, was einem im geistigen Sinne »zufällt« wie die reife Frucht vom Baum oder im Sinne des »Glasperlenspiels« von Hermann Hesse- ein Spiel, innerhalb dessen wir die Redundanz als Maß für die Ordnung realisieren und so erkennen, auf welchem Ordnungsniveau ein Ziegelsteinhaufen, ein Dom oder aber die Natur selbst basiert! Durch das Spiel mit einer neuen Kombinatorik' wird es zu einem anderen Verständnis natur-räumlicher Phänomene kommen.

Das angebotene Zwillings-Referenzsystem, bestehend aus Naturraum und Wissensraum sichtbarer und abstrakter dinglicher Welt, erlaubt Kindern eine erweiterte Weitsicht. Kinder stellen gewöhnlich ihr Weltbild als zu flach dar, finden aber selbst Antworten auf Fragen der Ordnung, der Orientierung und den Sinn des Lebens. Ein so verstandener Cyberspace, der nicht versucht, der physischen Realität nachzueifern, sondern in der Lage ist, erweiterte Realitäten abzubilden, hat eine Zukunft als Spielzeug, aber auch als Lern- und Orientierungshilfe im und für das Leben. Er sollte uns als Fluchthilfe in Fluch(t)welten zu schade sein, um der Realität auszuweichen und die Zeit tot zu schlagen!

So ein Denken außerhalb gängiger Raster und Bahnen wird natürlich als bedenklich oder gefährlich abgetan. Trotzdem erscheint es notwendig, Lösungen mit neuen Denkweisen anzugehen, »querzudenken« und die Schubladen eingefahrener Methoden trans-disziplinär und rotierend zu verlassen, um sich den Dingen zunächst zu entfremden und sie dann aus anderer Perspektive neu zu betrachten.

Kritische Auseinandersetzungen haben ans Licht gebracht, daß das ganze Konzept des »outside the box«-Denkens und die Einführung einer Wissenslandschaft keineswegs neu ist. Die Chinesen haben z. B. schon früh Herrschaftswissen an ihre Eliten weitergegeben, daß die Einbeziehung von Generationen und die Einsicht in ein System über alle Formen hinweg ermöglichte. Damit wurden Verantwortung und Alternativen, Proportionen und Konsequenzen vergleichbar und konnten somit im Gespräch oder in Gedanken abgewogen werden. Andere analytische konzeptionelle Ansätze kreisten um Theillard de Chardin und Plato. Letzterer wurde häufiger bemüht, da er mit seiner Zweiweiten-Lehre ebenfalls ein Zwillings-System der sinnlich wahrnehmbaren Dinge (Realwelt) und einer intelligiblen Welt der Ideen und des Verständnisses (Ideenwelt) imaginierte.

Ich finde es richtig, wenn ich mich auf die Schultern dieser weisen Männer stelle, um weiter zu schauen, zumal, weil sie in dieselbe Richtung blickten. Es erscheint mir aber wichtig, daß man sich bei der Erschließung der a-perspektivischen Weiten bemüht, sinnvolle und universale Referenzsysteme als Orientierungsgerüste zu verwenden. Nur so ist eine Harmonisierung der vielen Sichten und Aspekte und ein schrittweises Vortasten möglich, ohne den gemeinsamen Boden und Konsens zu verlieren! Dabei soll und kann es nicht um Gleichschaltung gehen, sondern lediglich um die Möglichkeit, über eindeutige Lage- und Sachbeschreibungen Kommunikation und sinnvolle Koordination zu ermöglichen, d. h. den Blick nach innen zu wenden, ohne sich gleich in Phantasiewelten zu verlieren. Das vorgestellte Gedanken- und Lehrgebäude ist unbedingt mit alternativen Möglichkeiten und Referenzhilfen nach den Kriterien Einfachheit, praktische Einsatzmöglichkeiten und allgemeinen Orientierungshilfen zu vergleichen, damit sichergestellt ist, daß nur einfachste, redundanzfreie Gerüste für die in Aufbau befindlichen und sehr komplexen Prozeß-, Problem- oder Wirtschaftslandsschaften, also Sinnwelten, Verwendung finden. Denn Orientierungslosigkeit erzeugt auch in Sinnwelten nur Aussichtslosigkeit und Mutlosigkeit, wenn es auch hier an Wegen, Stegen, und an Horizont fehlt. Ziel ist es, eine Schule des verantwortlichen Denkens als Vorstufe des verantwortlichen Handelns mit einer imaginären Tafel auszustatten, die es leichter macht, die Situation, Proportionen und Konsequenzen für andere darzustellen; eine Schultafel, die einlädt und hilft, auch über nicht direkt greifbare Dinge zu reden und damit materielle, lebensbestimmende Welten, Räume, Kräfte und Energien faßbarer und damit begreifbarer macht. Der Schwamm oder der »Radiergummi« werden dabei ein wichtiges Utensil sein, um »auszuwischen« und noch einmal von der anderen Seite, aus einer anderen Blickrichtung anzufangen, ohne gleich Schaden anzurichten. Und als wichtigstes Utensil natürlich der Kopf, der nicht nur imaginäre Kopflandschaften oder Schaubilder beherbergen und eindrucksvoller als jeder Bildschirm integrieren, sondern zusätzlich noch Empfindungen und Erfahrungen miteinbeziehen kann.









Anmerkungen:

M. Jammer, Das Problem des Raumes - Die Entwicklung der Raumtheorie. Darmstadt 1960: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. - M. Burchartz, Die Schule des Schauens. München 1962: Prestel.

Siehe hierzu besonders die Arbeiten zu Foucault und Leibniz: H. Benking, A. Goppold, Wissenswelten - Gedanken zur Organisation und Orientierung, lität von Michel Foucault. Tübingen 1994: Talheimer Verlag, und die von Leibniz eingeführte Licht-Meiapher. Hier übertrug er die Sehverstärkung auf die Aufhellung und Erweiterung des Wissens. Für die einen (siehe Anm. 3) istJournal TRILOGY, Vol. 11.4, 1985, 321-328, Vol. 13.4, 1986, 299-325, Vol. 17.1, 1988, 3-35.

Verschiedene Ausformungen, ob es nun Kugelwelten, die mit einer "fish-eye"Optik erschlossen werden und so die Ähnlichkeit überhöht in den Vordergrund Als Leselandschaft wird empfohlen:

SNIP (alte Liste entfernt) HeBe

hier ist eigentlich nur dieser hervorzuheben: http://www.benking.de/lernkultur.html

alle anderen sidn besser unten im Kontext besser aufgehoben

******

BITTE NOTIEREN !!

Der Artikel erschien erst 5 Jahre nach dem Studium Generale an der UNI TÜBINGEN - Zeit zur Überarbeitung des Skrips bestand nicht. Deshalb hier nochmal die Gegenübesetzungen währen des ABSCHLUSSPODIUMS in Tübingen:

und HINWEISE im Anschluss auf eine Rezension von Roberto Simanowski in IALS ONLINE: http://iasl.uni-muenchen.de/rezensio/liste/simanow3.htm und eine WIKI LISTE coforum über Konstruktivismus:

aus Zusammenhang in:

http://coforum.de/index.php4?KonstruktivistischeLerntheorie

zu

Dekonstruktion: Gewinnung multipler Perspektiven

HeBe - wichtig erschein mir hier multiplen Perspektiven "Raum" zu geben, ein Konzert, ein Bouquet oder einen Tanz von Modellen, Perspektiven einzufordern anstatt nur "de-konstruktiv" etwas auseinanderzunehmen. Vielleicht sich einfach nur mal vorstellen das wir multi-modal verschiedene Modelle und Konstruktionen in Ihrer Gesamtheit als etwas bessere Annäherung an eine Welt nehmen die auch Platz für Minderheiten und Minderheitsmeinungen - und nicht Übereinstimmen -

dazu:

http://benking.de/systems/encyclopedia/newterms/#_Toc87362172

http://benking.de/systems/encyclopedia/newterms/#_Toc87362174

aber auch:

http://benking.de/systems/codata/CODATA-MIST2005-ppt_files/v3_document.htm http://benking.de/systems/codata/CODATA-MIST2005.htm

und zu neuem und altem LERNEN und KOMMUNISZIEREN (auch in unterschiedlichen Kulturen):

http://www.inst.at/trans/15Nr/08_3/benking_lenser15.htm

http://benking.de/Dialogue_and_Decision-Culture.htm

sowie:

Gemeinschaftsnutzungsstrategien für eine nachhaltige lokale Entwicklung.

New work und lokale Denk- UND Arbeitsbedingungen und gemeinsame ORIENTIERUNGEN!!:

http://benking.de/new-work/kognitives-panorama-newwork.htm



siehe auch weiter oben im WIKI:

PROTEST Heiner:

RADIKALER KONSTRUKTIVISMUS und KONSTRUKTIVISMUS sind wichtige Schritte - aber auch "einäugig" - denn ohne Pragmatismus, und all die anderen sinnvollen .ismen (siehe von Gleichen und Steiner) bleibt das eng und dogmatisch. Ich bin kein Radikaler Konstruktivist - das geht zu sehr in die Ecke der postmoderne Gefährdung die uns und alle apathisch, orientierungslos, ... macht. Siehe meine Exkurse mit Pierre Levy und die Gesammte Diskussion einer open-ended universality - die keine Zukunft - nur ENDZEIT "vordenkt" und somit Vordenker religiös verbrämter Charismatiker ist.

Wir haben gezeigt, zB mit der WELTBILD - WELTHAUS Thematik das Jugendliche sich Sinnwelten als konkretes WELTHAUS vorstellen können, siehe: http://benking.de/skizzen-2003.htm siehe auch: http://benking.de/education/bpb-links.htm, und dazu passend natürlich auch das "HAUS der AUGEN" aus Benking, Rose (98) oben.

s.a.:

http://iasl.uni-muenchen.de/rezensio/liste/simanow3.htm

Heiner Benking mahnt unter dem Titel Fluchtwelten oder Sinnwelten - Cyberspace als Spielzeug und Orientierungshilfe schließlich den sinnvollen Einsatz von Cyberspace in der Wissensverarbeitung und Schulbildung an, leider ohne Aussagen dazu, welche Erfahrungen und Ergebnisse es diesbezüglich bereits gibt.

was natürlich stimmt:

http://benking.de/sinn-fluchtwelten.html oder

http://benking.de/education/

PROTEST Heiner: http://iasl.uni-muenchen.de/rezensio/liste/simanow3.htm zu Erfahrungen und Ergebnisse:

Das Studium Generale fand an der Uni Tübingen 1994 oder so statt. Die Texte fanden erst 5 Jahre später ihren Platz beim Fink Verlag. Der Text war vorläufig und ohne vollständige Literaturangaben.

INTERESSANT waren die GEGENÜBERSTELLUNGEN - REAL - VIRTUAL - PARADIESE - REALITÄTEN von Thomas Wägenbauer mit Erweiterungen von mir damals für das Abschluss-Podium. http://benking.de/VR-Oeffentlichkeit-pro-con.html - Gerade nach 12 Jahren sind diese sicher interessant !!

Wer will kann ja dermeil mal hier schauen: http://benking.de/bildung/ http://benking.de/dialog/